Ein Blick in die Statistik reicht, um zu erkennen, dass sich Sozialministerin Kerstin Schreyer mit ihrer Offensive den Familien widmet, die mehr Unterstützung brauchen. Jede dritte Ein-Eltern-Familie ist von Armut bedroht. Alleinerziehende müssen mehr rechnen – und deutlich mehr planen, um Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die staatlichen Hilfen sind überschaubar – und entlasten vor allem die Gutverdienenden.
Deshalb ist es ein wichtiger Schritt, den Blick auf den schwierigen Alltag der Alleinerziehenden zu lenken. Nur handelt es sich bei Schreyers Forderungen eben leider nicht um Maßnahmen, die zeitnah umgesetzt werden – sondern nur um schöne Ideen, über die in Berlin entschieden werden muss. Ob und wann sich für Ein-Eltern-Familien in Bayern etwas ändert, ist völlig offen. Für Alleinerziehende, die auf schnelle und konkrete Alltagshilfen gehofft haben, ist der als Offensive angekündigte Vorstoß Schreyers wohl eher enttäuschend.
Immerhin wird das Thema nun diskutiert – zumindest ein kleiner Fortschritt. Denn nicht nur die Politik kann für Entlastungen sorgen. Auch viele Arbeitgeber könnten es alleinstehenden Müttern oder Vätern leichter machen, Job und Kinder zu vereinbaren. Zum Beispiel mit flexibleren Arbeitszeiten oder Home-Office-Tagen, wenn ein Kind krank wird. Das wäre eine schnelle Hilfe – und sie würde nicht mal Geld kosten.
Katrin.Woitsch@ovb.net