Erst seit 15. Juni sind E-Scooter erlaubt, schon tobt die Debatte. Der Städtetag fordert die Kommunen zum Handeln auf, die FDP Lösungen für das Abstellproblem. Die SPD beklagt Verkehrsverstöße, die Grünen sprechen von Tatenlosigkeit. Was passiert ist? Eigentlich nichts. Zumindest nichts, was nicht zu erwarten war. Natürlich gibt es Alkoholmissbrauch, natürlich wird auf Gehwegen gerollert. Es ist wie beim Fahrrad auch. Warum also das große Erstaunen? Es wirkt, als wolle im Sommerloch jeder das Thema für eine schnelle Schlagzeile besetzen.
Die meisten zeigen mangels eigener Ideen auf die Kommunen – das ist unfair. Denn die Städte haben wenig Handhabe: E-Scooter sind laut Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung des Bundes (so wie Leihräder auch) nicht genehmigungspflichtig. Verleiher können so viele Scooter aufstellen, wie sie wollen, und nahezu wo sie wollen. In München kooperieren die E-Scooter-Verleiher gut mit der Stadt, in anderen Großstädten mag das anders sein.
Mobilität diversifiziert sich, wird komplexer. E-Scooter können eine gute Alternative sein, etwa wenn man von der U-Bahn noch zwei Kilometer zur Arbeit hat und kein Bus in der Nähe hält. Das Problem ist, dass das Straßennetz aufs Auto zugeschnitten ist. Für E-Scooter gibt es eigentlich keinen Platz. Was fehlt, sind komplexe Gesamtverkehrskonzepte, auf kommunaler wie auf Bundesebene. In Sicht sind solche nicht. Überraschung!
Wolfgang.Hauskrecht@ovb.net