Die Partei der Unbekannten

von Redaktion

Es läuft zäh: Bei der Frage nach dem SPD-Vorsitz zögert die Prominenz. Nach drei relativ unbekannten Teams bewirbt sich mit Robert Maier ein Mann aus der Wirtschaft um den SPD-Vorsitz. Wer sind diese Menschen? Ein Überblick.

VON PETRA WETTLAUFER-POHL

Berlin – Doppelspitze? Das löst die Probleme nicht, meint Robert Maier. Der 38-Jährige bewirbt sich deshalb allein um den Job, den SPD-Urgestein Franz Müntefering mal als „das schönste Amt neben dem Papst“ bezeichnet hatte. Maier will SPD-Chef werden. Ganz aus dem Nichts kommt er nicht, der Internet-Unternehmer ist Mitbegründer und Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, das die Kontakte zwischen Partei und Wirtschaft fördern will. Dennoch dürfte er vielen Wählern kein Begriff sein.

Der Sohn der SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier, geboren im Rheinland und seit zehn Jahren mit eigener Familie in Berlin ansässig, sorgt sich um die Radikalisierung des rechten Randes im Parteienspektrum, zieht daraus aber auch den Schluss, dass seine Partei die Ängste der Menschen ernster nehmen müsse. Sowohl bei Fragen der Migration als auch bei der Digitalisierung. Maier ist ein Pragmatiker, das Wirtschaftsforum unterstützt die Gruppierung SPDpur, die einen Linksruck der Partei verhindern will. „Wir brauchen keine zweite Linkspartei“, sagt der Mann, der in Start-up-Gründungen investiert.

Der SPD zu neuem Optimismus und neuem Selbstbewusstsein verhelfen wollen auch Michael Roth und die frühere NRW-Familienministerin Christina Kampmann (38), die als Erste ihre Hüte in den Ring geworfen hatten. Roth (48), Staatsminister im Auswärtigen Amt, ist der bekanntere Teil dieses Duos, das zum linken Flügel der Partei zählt. Den Nordhessen Roth und die Landtagsabgeordnete aus Gütersloh eint die Begeisterung für Europa und der Wille, Mitglieder in der SPD stärker zu beteiligen. Auch die Öffnung der Wahllisten für Nichtmitglieder können sie sich vorstellen.

Vom linken Flügel kommen auch der vornehmlich als Gesundheitspolitiker bekannte Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (56) und seine Fraktionskollegin Nina Scheer (47), Tochter des 2010 verstorbenen SPD-Umweltpolitikers Hermann Scheer. Auch sie hat sich der Umweltthematik verschrieben. Beide machen keinen Hehl daraus, dass sie die Große Koalition gern beenden würden, man aber auch dazu die Mitglieder befragen müsse.

Auch erfolgreiche SPD-Kommunalpolitiker fühlen sich berufen, für den Vorsitz zu kandidieren: Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, tritt wieder an. Sie hatte bei der letzten Vorsitzendenwahl Andrea Nahles herausgefordert und beachtliche 27,6 Prozent geholt. Ihr Teampartner ist der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Letzterer sagte unlängst, als Kommunalpolitiker würden sie den Alltag der Menschen mutmaßlich besser kennen als die Bundespolitiker. Auch andere Erfahrungen teilen sie: Der 53-jährige Ahrens stammt aus West-Berlin und ging in den Osten, Lange (42) ist Thüringerin, die in den Westen gekommen ist. Zweiter Einzelbewerber neben Maier ist der frühere Bundestagsabgeordnete Hans Wallow (79) aus Bonn.

Und sonst? Der Niedersachse Stephan Weil erklärte diese Woche erneut, er gehe nicht von einer Kandidatur aus. Auch Gesine Schwan, schon einmal Bundespräsidenten-Kandidatin, hat sich bislang nicht beworben. Gehandelt werden zudem Generalsekretär Lars Klingbeil, Familienministerin Franziska Giffey und Manuela Schwesig, derzeit im Trio mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel kommissarische Vorsitzende. Sie alle zögern bislang und haben sich noch nicht final erklärt.

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