Spießrutenlauf in El Paso

von Redaktion

Trump wird an den Schauplätzen der jüngsten Massaker feindselig empfangen – fühlt sich aber „wie ein Rockstar“

El Paso – „Rassismus ist nicht Patriotismus“. „Bleib weg, Trump!“ Die Plakate, die Demonstranten vor den weißen Kreuzen und dem Walmart-Einkaufszentrum in die Höhe halten, in dem am Samstag ein 21-jähriger Amokschütze 22 Menschen – darunter den Deutschen Alexander G. Hoffman (66) – tötete, lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Der Präsident ist in der texanischen Grenzstadt, deren Bevölkerung mehrheitlich mexikanische Wurzeln hat, nicht willkommen. Der Besuch, mit dem Trump und die First Lady Melania nach ihrem Abstecher in Ohio Anteilnahme zeigen wollen, wird für ihn bei 38 Grad im Schatten zum schweißtreibenden Spießrutenlauf. „El Paso wird nicht schweigen, und ich schon gar nicht,“ lässt der demokratische Präsidentschaftskandidat Beto O‘Rourke kurz vor dessen Landung wissen. Auch er hatte Trump zur unerwünschten Person erklärt.

Im Krankenhaus können Trump und seine Frau für eine Weile den Protesten und der Kritik entkommen, als sie zwei Opfer-Familien treffen. Es sind die einzigen Angehörigen, die mit dem Präsidenten zusammenkommen wollten. Verletzte sieht Trump hier nicht. An der Zentralzufahrt zum Hospital haben sich eine Handvoll Sympathisanten mit USA-Flagge, roten „Macht Amerika wieder großartig!“-Kappen und „Trump 2020“-Schildern positioniert. Doch diese Menschen sind an diesem schwülen Sommertag in der Minderheit.

Die große Mehrheit will vom Präsidenten endlich Aktionen – so wie es die US-Bürger seit vielen Jahren fordern, wenn wieder ein Massaker die Nation erschüttert. Doch einige wollen von Trump noch mehr. „Er muss sich bei uns und den Latinos für seine Aussagen entschuldigen,“ sagen etwa Angehörige der Hernandez-Familie, die am Samstag einen Vater und seine Frau im Kugelhagel verloren. Sie meinen die Formulierungen Trumps, der immer wieder Migranten als „Invasoren“ bezeichnet und Mexikaner gerne als „Drogenhändler, Menschenschmuggler und Mörder“ kategorisiert.

Doch ein „mea culpa“ gibt es vom Präsidenten in den über zwei Stunden in El Paso nicht. Stattdessen feuert er beim Anflug in der „Air Force One“ wieder einmal Twitter-Salven auf Politiker ab, die er zuvor in Ohio getroffen hat, wo neun Menschen in einem Barviertel erschossen worden waren – und er wirft ihnen vor, sein Treffen mit Opfer-Angehörigen falsch dargestellt zu haben. Er sei doch „wie ein Rockstar“ gefeiert worden, prahlt er.

Diese provokanten Aussagen passen wenig zu Trumps Einschätzung vor der Reise, als er versichert hatte: „Meine Rhetorik bringt die Menschen zusammen“. In El Paso ist davon nichts zu spüren. Die einzigen, die Trump an diesem Tag vereint, sind die Gegendemonstranten und Lokalpolitiker. Darunter auch Volksvertreter wie Veronica Escobar, die El Paso im US-Kongress vertritt. „Er ist hier nicht willkommen. Er sollte nicht kommen, während wir noch trauern“, sagte die Demokratin. Trotz Einladung nahm Escobar nicht an seinem Besuch teil.

Schützenhilfe erhält sie aus der Ferne von Ex-Vizepräsident Joe Biden, der 2020 gegen Trump antreten will. Biden wirft Trump bei einer Rede in Iowa vor, er fache die Flammen der weißen Nationalisten an. Der Demokrat zieht auch eine direkte Verbindung zwischen der Wortwahl Trumps und der Bluttat in El Paso, wo der Attentäter eigenen Worten zufolge möglichst viele Mexikaner töten wollte. Doch die Welle der Kritik prallt – wie so oft – am Präsidenten ab. Er habe vor allem „Liebe und Respekt“ verspürt, bilanziert er am Abend. FRIEDEMANN DIEDERICHS

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