Es knirscht leise in der Staatsregierung. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wirbt für ein neues bayerisches Ladenschlussgesetz und moderat erleichterte Sonderverkäufe. Arbeitsministerin Kerstin Schreyer (CSU) reagiert genervt. Sie hält nichts von allzu langen Shopping-Abenden, sagt sie im Interview.
Aiwanger beackert die Ladenöffnung. Willkommener Rat oder unerbetene Einmischung?
Wir sind als Arbeitsministerium zuständig und kümmern uns intensiv darum. Das sind Themen, die man nicht mal kurz am Stammtisch mit zwei Sätzen anheizen sollte.
Wann öffnen, wann nicht?
Sonntags belassen wir es bei vier anlassbezogenen Öffnungen. Selbst das ist vielen Mittelständlern mit knapper Personaldecke zu viel. Sie fürchten, bei zu langer Öffnung bei den großen Ketten unter die Räder zu kommen.
Wirtschaftsminister Aiwanger will mehr „lange Einkaufsnächte“ unter der Woche. Daran geht die Gesellschaft doch nicht zugrunde…
Darum geht es nicht. Eng begrenzte Möglichkeiten dafür gibt es bereits. Die Gewerkschaften signalisieren aber deutlich, dass sie bei einer weiteren Lockerung einen Dammbruch fürchten. Auch ich will keine flächendeckenden längeren Öffnungszeiten abends. Zwischen 6 Uhr morgens und 20 Uhr abends kann in unserem Land wirklich jeder ein Zeitfenster zum Einkaufen finden.
Die Realität in vielen Städten – nicht auf dem Land – ist: Der Lieferservice bringt bis Mitternacht alles nach Hause. Freut es die Arbeitsministerin, wenn keiner mehr in Läden geht?
Falsch. Wir machen Politik auch für Arbeitnehmer. Mir ist wichtiger, darüber zu reden, wie die Familien von Kassiererinnen einen verlässlichen Feierabend haben. Zur Erinnerung: Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel. Längere Öffnungszeiten bringen nicht mehr Umsatz, sondern steigern nur die Not bei der Personalsuche. In fast jedem Laden hängt ein Zettel: Mitarbeiter gesucht.
Ihre Sorge gilt hier doch offenkundig Jobs, die von der Digitalisierung bald überholt werden.
Die Arbeitswelt ändert sich, Digitalisierung findet statt, ob wir es wollen oder nicht. Natürlich fällt ein Teil der Kassierer irgendwann weg, weil die Supermarktkasse automatisch den Einkauf scannt. Natürlich wird in einigen Jahren der Computer den Gabelstapler durchs Lager steuern. Um genau diese Menschen, um deren Berufe es hier geht, müssen wir uns deshalb viel intensiver kümmern.
Wie wollen Sie das machen?
Bisher haben wir Menschen ausgezeichnet, die 30, 40 Jahre in einem Betrieb waren. Künftig will ich zum Beispiel gute Wechsler auszeichnen, die sich nach 30 Jahren im Job auf eine neue Aufgabe weiterbilden, im sozialen Bereich zum Beispiel oder in der Technik. Ich habe jetzt damit begonnen, 6000 Bildungsschecks auszugeben, ein Zuschuss von 500 Euro für Digitalisierungskurse. Wir müssen auch Quereinsteiger fördern, die sich zukunftsfest machen.
Interview: Chr. Deutschländer