Argentiniens Schock-Vorwahl

von Redaktion

Aktienmärkte reagieren heftig auf möglichen Machtwechsel

München – Zweieinhalb Monate sind es noch bis zur Präsidentenwahl in Argentinien, aber der konservative Amtsinhaber Mauricio Macri hat schon jetzt schlechte Karten. Herausforderer Alberto Fernández aus dem Mitte-links-Lager hat bei den Vorwahlen am Sonntag 47 Prozent bekommen, Macri nur 32 Prozent. Argentinien könnte damit vor einer politischen Kehrtwende stehen, inklusive ökonomischer Eruptionen.

Der Aktienmarkt in Buenos Aires reagierte jedenfalls heftig auf das Ergebnis. Am Montag brach der Leitindex S&P Merval um gut ein Drittel ein, auch der argentinische Peso verlor gegenüber dem US-Dollar um 29 Prozent an Wert. Dahinter steckt in erster Linie das Misstrauen der Märkte gegenüber Fernández Vize-Kandidatin Cristina Kirchner. Der Ex-Präsidentin wird ein angespanntes Verhältnis zu ausländischen Investoren nachgesagt, außerdem wird gegen sie wegen Korruption und Geldwäsche ermittelt. Staatschef Macri gilt hingegen als wirtschaftsfreundlich.

Trotzdem steckt das Land seit 2018 in einer Rezession. Die Inflation lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 40 Prozent, die Arbeitslosenquote beträgt gut zehn Prozent. Zusätzlich setzt ein hartes Sparprogramm den Menschen zu. Macri, der vor vier Jahren als Hoffnungsträger gestartet war, hat die Erwartungen vieler enttäuscht.

Die Quittung könnte es am 27. Oktober, dem Tag der Präsidentenwahl, geben. Zwar hat das Ergebnis der Vorwahlen, die eine argentinische Besonderheit sind, keine direkten Auswirkungen. Aber weil nicht nur Parteimitglieder, sondern alle Bürger stimmberechtigt sind, gelten sie traditionell als Generalprobe. Macri kündigte an, seine „Anstrengungen zu verdoppeln“. Es könnte zu spät sein. dpa/afp

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