Peickwitz/Berlin – Während in Berlin noch alle rätseln, mit welcher Tandem-Kollegin der Finanzminister die anderen Bewerber aus dem Feld schlagen will, fährt Olaf Scholz am Dienstagvormittag mit zwei PS in Brandenburg über den Acker. Gemächlich rumpelt der Pferdewagen von Bauer Thomas Domin vorbei an Feldern und Baumstreifen. Immer wieder schaut Scholz auf sein Smartphone und lächelt.
Wenige Stunden später wird die Öffentlichkeit erfahren: Scholz tritt mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz für den Parteivorsitz an. Und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erklärt mangels passender Mitbewerberin seinen Verzicht auf eine Kandidatur. Möglich, dass das schon die entscheidenden Drehungen des Bewerbungskarussells bei der SPD sind – knapp zwei Wochen vor dem Ende der Bewerbungsfrist.
Für Scholz wird es mit der Ruhe schnell wieder vorbei sein. Heute wollen er und Geywitz in Berlin ihre Bewerbung erläutern. Vorher bringt er im Bundeskabinett noch seinen Gesetzentwurf für die Teilabschaffung des Soli ein. Es ist schon ein Vorgeschmack auf die Doppelbelastung, die auf Scholz zukäme, wenn er neben seinem Ministeramt SPD-Chef würde. Weil das zeitlich zu viel würde, wollte er ja lange gar nicht antreten.
Aber Klara Geywitz? Bundesweit ist die 43-Jährige unbekannt. Doch in der SPD setzte Geywitz schon mehr als nur Duftmarken – etwa als Mitglied der großen Verhandlungsrunde für den schwarz-roten Koalitionsvertrag 2018. Von 2013 bis 2017 war die studierte Politologin und Mutter dreier Kinder Generalsekretärin des Landesverbandes.
Als Duo repräsentieren Scholz/Geywitz West und Ost, die ältere und die jüngere Generation. Gleichzeitig verkörpert Scholz für viele das Partei-Establishment, das für den Niedergang der Sozialdemokraten verantwortlich ist. Das gemeinsame Bewerbungsschreiben liest sich sehr ab- und ausgewogen, Schulz und Geywitz bekennen sich zu Sozialstaat, Klimaschutz, Solidarität. „Wir beide stehen für eine demokratische Zuversicht.“ Und vermutlich auch für die Große Koalition.