Kurz nachdem verbreitet wurde, dass die G7-Staaten sich auf eine Dialog-Initiative mit Teheran geeinigt hätten, dementierte Trump: „Darüber habe ich nicht gesprochen.“ Damit ist genau das wieder passiert, was schon den G7-Gipfel von Québec im Vorjahr zum Fiasko werden ließ: Trump hatte damals die Abschlusserklärung per Twitter platzen lassen. Macron verzichtete deshalb in Biarritz auf eine gemeinsame Abschlusserklärung – was an sich schon eine Armutserklärung ist. Vor Trumps Unberechenbarkeit konnte er sich trotzdem nicht schützen. Dafür konterte Macron mit dem iranischen Überraschungsgast, der wiederum Trump verärgert haben dürfte.
Der US-Präsident sieht solch einen Gipfel als Chance für Vier-Augen-Gespräche und Deals – so wie jetzt mit Boris Johnson. Er nutzt einen Gipfel, der Gemeinsamkeiten erarbeiten sollte, zum Spalten: Mit dem Brexit-Premier gegen die EU, mit Japan gegen China. Die Atombomben-Gefahr im Iran und Nordkorea; weltweiter Konjunktureinbruch wegen der Handelskriege; Klima-Katastrophe durch die Feuer im Amazonas: Selten war offensichtlicher, dass die Weltgemeinschaft gemeinsame Anstrengungen braucht, für die die führenden Industrienationen eigentlich ein Motor sein müssten. Denn mit national egoistischen Zweier-Deals à la Trump lassen sich diese gewaltigen Herausforderungen sicher nicht bewältigen. Doch der G7-Motor ist abgesoffen: Diese glorreich zerstrittenen Sieben schaffen eher Probleme, als sie zu lösen.
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