Biarritz – US-Präsident Donald Trump besänftigt, den Regenwald gerettet, den festgefahrenen Atomkonflikt mit dem Iran wieder in Bewegung gebracht und befürchtete Ausschreitungen verhindert: Mission erfüllt – das kann sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Abschluss des G7-Gipfels in Südfrankreich auf die Fahnen schreiben.
Auch wenn Umweltschützer Kritik an den teils vagen Zusagen gegen die Waldbrände am Amazonas üben – zumindest ist Macrons Plan aufgegangen, der Gruppe der führenden westlichen Industriestaaten ein Debakel wie im vergangenen Jahr zu ersparen. Vor gut einem Jahr endete der Gipfel im Eklat, als Trump die Abschlusserklärung nachträglich per Tweet aufkündigte, weil nach seiner Meinung die Partner die USA ausplünderten wie ein „Sparschwein“, wie er damals sagte.
Sind die G7 am Ende? Das fragten sich damals viele. Doch der ehrgeizige französische Präsident wollte ein Scheitern seines einjährigen G7-Vorsitzes nicht einfach so hinnehmen. Deshalb setzte Macron in Biarritz auf eine Mischung auf Charmeoffensive und inhaltlichen Fortschritten. Von vornherein verzichtete er auf eine Abschlusserklärung, die Trump dann aufkündigen könnte. Und er vermittelte dem Unberechenbaren aus Washington offenbar erfolgreich, dass sich die Macron-Methode des „diplomatischen Coups“ perfekt mit Trumps „Deal“-Politik vereinbaren lässt.
Gegenüber Macron zeigte sich Trump in Biarritz ungewohnt handzahm: „Ich habe gewusst, was er tut, und ich habe alles gebilligt“, sagte der 73-jährige US-Präsident über den erst 41-jährigen Franzosen. Das war insbesondere auf den Atomkonflikt mit dem Iran gemünzt, bei dem Macron ein Überraschungscoup gelang. Gestern kündigte er an, Trump wolle sich in den nächsten Wochen sogar mit Irans Präsident Hassan Ruhani treffen. „Wir haben die Bedingungen geschaffen für eine Zusammenkunft“, sagte Macron.
Auch einen anderen potenziellen Störenfried bekam der französische Präsident unter Kontrolle: Er alberte mit dem neuen britischen Premier Boris Johnson herum, der beim Gipfel seine Premiere gab. Im kommenden Jahr hat der US-Präsident die Geschicke der G7 selbst in der Hand: Am 1. Januar übernimmt er selbst den Vorsitz der Ländergruppe.