Berlin/Karlsruhe – Nach den tödlichen Schüssen auf einen Georgier in Berlin verfolgt auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen sehr genau. „Wir haben die Sache im Blick und stehen im engen Kontakt mit der Berliner Justiz“, sagte ein Sprecher der obersten Strafverfolgungsbehörde. Für eine Übernahme des Falls durch den Generalbundesanwalt müsste es allerdings den Verdacht geben, dass hinter der Tat der „Geheimdienst einer fremden Macht“ stehen könnte. Für die Verfolgung „geheimdienstlicher Agententätigkeit“ ist die Spionage-Abteilung der Bundesanwaltschaft zuständig.
Der 40 Jahre alte Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit war am Freitagmittag in einem kleinen Park in Berlin-Moabit erschossen worden. Der mutmaßliche Mörder ist ein 49 Jahre alter Mann aus Russland. Er soll dem Opfer mit einem Fahrrad gefolgt sein und ihm dann in den Rücken und in den Kopf geschossen haben. Der Haftbefehl wurde wegen heimtückischen Mordes erlassen.
Die Polizei fasste den Verdächtigen mithilfe von Hinweisen von Zeugen kurz nach der Tat in der Nähe. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung beobachteten zwei 17-Jährige, wie der Mann mehrere Gegenstände in die Spree warf. Polizeitaucher fanden später eine Perücke, das Fahrrad und die Tatwaffe, eine Pistole der Marke Glock, im Wasser. Nach Medienberichten soll die Kriminalpolizei bei der Tat von einem Auftragsmord ausgehen. In der Wohnung des Verdächtigen soll eine größere Summe Bargeld gefunden worden sein.
Der Georgier soll nach verschiedenen Berichten Anfang der 2000er-Jahre auf der Seite muslimischer Tschetschenen gegen Russland gekämpft haben. Eine georgische Menschenrechtsorganisation erklärte, auf den Mann sei 2015 in Tiflis ein Mordanschlag verübt worden.