Washington – Donald Trump sei „wie ein Kind“ und „nicht fit für sein Amt“. Das sagt Joe Walsh, ein US-Republikaner und einer der wenigen Gegenkandidaten, die den Präsidenten bei den Wahlen 2020 parteiintern herausfordern wollen.
Joe Walsh hat keine Chance, Trump die Nominierung zu verwehren, Doch seine Theorie zur Fähigkeit des Präsidenten, den Herausforderungen seines Jobs gerecht zu werden, haben durch das bizarr-konfuse Verhalten Trumps auf dem G7-Gipfel von Biarritz nur noch weitere Nahrung bekommen. Die politische Online-Plattform „The Hill“ resümierte den Auftritt jetzt mit den Worten, die Welt habe eine „alternative Reality-Tour“ des US-Präsidenten erlebt.
Wo beginnt man mit den Stationen dieser Reise von Präsident Seltsam? Bei dem Fakt, dass sich Trump – während die übrigen Gipfelteilnehmer über Klimaschutz und die Amazonas-Feuer redeten – angeblich wegen anderer Termine zurückgezogen hatte und stattdessen Twitter-Botschaften an die Moderatoren des konservativen Senders Fox News sendete? Hier hätte Trump, wenn er es denn gewollt hätte, dem Gipfel seinen Stempel aufdrücken können und zusätzlich zu den lächerlichen 22 Millionen Dollar der anderen Nationen noch einmal 100 Millionen Dollar drauflegen können – was ein Betrag gewesen wäre, der im US-Haushalt nicht aufgefallen wäre.
Und dann waren da die Lügen und Halbwahrheiten. Wie die von den Japanern flugs dementierte Behauptung Trumps, Tokio wolle allen Mais aufkaufen, der aufgrund des Handelskriegs der USA mit China in amerikanischen Silos liege. Oder die Aussage, China wolle im Konflikt wieder reden – obwohl sich dann kein Beleg für einen Vorstoß Pekings fand.
Und dann der Moment, als der Präsident einmal mehr Nordkoreas Diktator Kim Jong Un lobte und dafür die First Lady Melania als Kronzeugin anführte: Sie habe ebenfalls Kim als Mann mit enormem Potenzial kennengelernt. Der Schönheitsfehler: Melania Trump hat den Despoten noch nie in Person getroffen, was eine Trump-Sprecherin später kleinlaut einräumte. Eine denkwürdige Erklärung lieferte das Weiße Haus gleich mit: Trump vertraue sich nämlich bei sehr vielen Themen seiner Frau an. Auch wenn die First Lady Kim also nicht wirklich getroffen habe, „hat der Präsident das Gefühl, sie hätte ihn auch kennengelernt“. Was schert die Wahrheit schon einen US-Präsidenten, der in seiner Amtszeit der „Washington Post“ zufolge bereits fast 11 000 Mal die Fakten ignoriert hat?
Kaum der Wahrheit entsprechen dürfte auch Trumps Aussage, Geld interessiere ihn nicht – und er würde an einem zukünftigen G7- oder G8-Treffen, dann mit Männerfreund Wladimir Putin, in seinem „Trump National Doral“-Golfhotel in Miami nichts verdienen. Wie der Präsident dann seine Luxusherberge anpries, erfüllte den allerhöchsten Peinlichkeitsstandard.
Die surreale Trump-Show von Biarritz dürfte die Isolation der USA auf der Weltbühne verstärkt haben. Daran ändert auch die vage Absichtserklärung des Präsidenten nichts, vielleicht demnächst die iranische Führung zu treffen. Denn ein Meeting macht noch keinen Sommer, wie der Nordkorea-Konflikt bewiesen hat. Es blieben nach zwei spektakulär inszenierten Gipfeln vor allem schöne Bilder – aber keine Fortschritte in den Kernfragen der nuklearen Abrüstung.