München – Es gibt nicht viele Staatschefs, die in diesen Tagen positiv über den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro sprechen. Aber wenigstens auf den amerikanischen Kollegen kann sich der umstrittene Staatschef verlassen. „Ich habe Präsident Jair Bolsonaro gut kennengelernt“, schrieb Trump auf seinem Lieblingskanal Twitter. „Er arbeitet sehr hart wegen der Brände im Amazonasgebiet und macht einen großartigen Job für das brasilianische Volk.“ Bolsonaro bedankte sich umgehend: „Wir bekämpfen die Waldbrände mit großem Erfolg.“ Und: „Die Fake-News-Kampagne gegen unsere Souveränität wird nicht funktionieren.“
Immerhin lenkte die brasilianische Regierung angesichts der verheerenden Brände im Amazonas-Regenwald ein Stück weit ein. Man sei „offen“ für finanzielle Unterstützung von Organisationen und anderen Staaten, solange dies die „brasilianische Souveränität“ nicht verletze und die Verwendung der Mittel „in unserer Verantwortung steht“, verkündete Präsidentensprecher Otavio Rego Barros. Die Verwendung des Geldes müsse von der brasilianischen Regierung kontrolliert werden, betonte Rego Barros. Zudem kündigte er an, Präsident Jair Bolsonaro werde an einem für den 6. September geplanten regionalen Dringlichkeitstreffen für einen Regenwald-Schutzpakt teilnehmen. Das Treffen in Leticia im Dreiländereck ist eine Initiative Perus und Kolumbiens.
Der brasilianischen Regierung wird vorgeworfen, nicht genug gegen die Waldbrände im Amazonas-Regenwald zu unternehmen. Der ultrarechte Staatschef Bolsonaro ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und zweifelt den menschgemachten Klimawandel an. Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass die Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben. Streit gab es zuletzt auch um eine Soforthilfe von rund 18 Millionen Euro, welche die G7-Staaten im Kampf gegen die Waldbrände zugesagt haben. Bolsonaro hatte erst einmal eine Entschuldigung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gefordert, bevor er Hilfe akzeptiere.
Donald Trump übrigens verfolgt derweil offenbar ganz eigene Pläne. Wie die „Washington Post“ berichtet, will er den Regenwald in Alaska zur Abholzung freigeben. Die Zeitung beruft sich auf ein Gespräch Trumps mit dem Gouverneur von Alaska Mike Dunleavy an Bord der Air Force One. Trump habe angewiesen, im Tongass National Forest 3,8 Millionen Hektar Fläche vom Abholzungsverbot auszunehmen – und damit mehr als die Hälfte des Waldes. mm/dpa/afp