Die Hysterie begann mit dem Tag ihrer Zulassung. Nachrichtenagenturen berichteten, dass in Neuseeland (!) der Fahrer eines Elektro-Tretrollers tödlich verunglückt sei. In den sozialen Netzwerken posteten Erzürnte Bilder von falsch abgestellten Scootern. Politiker forderten aufgeregt eine Null-Promille-Grenze. Und Medien berichteten investigativ, dass Flip-Flops und High Heels zum Fahren der Roller ungeeignet seien. Ach!
Ihnen allen möchte man zurufen: Regt euch ab! Natürlich bringt die Neu-Zulassung eines solchen Gefährts manch Kinderkrankheit mit sich. Viele Anbieter mit (zu) vielen Rollern. Kinder, die das neue Gefährt als Spielzeug missverstehen. Unwissenheit bei allen Verkehrsteilnehmern, wo man mit dem Ding überhaupt fahren und es abstellen darf. All das muss man natürlich problematisieren – aber bitte nicht so hysterisch. Intelligente Lösungen sind möglich, zum Beispiel eine automatische Geschwindigkeitsdrosselung auf verbotenen Verkehrsflächen mittels Geofencing. Und wenn die ersten hundert Scooterfahrer wegen Trunkenheit den Führerschein verloren haben, wird auch hier der Verstand einsetzen. Verstöße gegen Regeln müssen eben geahndet werden.
Täglich sieht man in der Innenstadt hunderte falsch geparkter Autos (gerne auch auf Geh- und Radwegen) oder Fahrradfahrer, die das Recht des Stärkeren für sich reklamieren. Und jetzt soll der E-Scooter den Untergang des Abendlandes einleiten?
158 Radfahrer haben in Deutschland in den ersten fünf Monaten ihr Leben verloren. Also fast jeden Tag einer. Darüber sollten wir so aufgebracht diskutieren.