Union sucht Antworten auf AfD-Erfolg

Für die CDU gibt es Bessere als AKK

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Zu den wenigen Gewissheiten einer ratlosen CDU-Führung gehört nach dem Triumph der AfD bei den Ostwahlen die Erkenntnis, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf. Aber wenn nicht so, wie dann? Ironischerweise war die erste Antwort der Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gestern dann doch ein trotziges „Weiter so“: keine Koalitionen mit der AfD. Und sie hat, in diesem Punkt, auch völlig Recht: Mit Radikalen wie Höcke und Kalbitz kann es keine Zusammenarbeit geben. Beide sind in Stil und Inhalt Anführer einer völkischen Bewegung, die man von der Macht fernhalten muss.

Schwieriger wird es mit Blick auf die Wähler der AfD: Allein in Sachsen wechselten am Sonntag 81 000 Wähler von der CDU zur „Alternative“ und 26 000 von den Linken. Die sind vermutlich nicht plötzlich von untadeligen Demokraten zu Rechtsextremen mutiert. Zu den beunruhigendsten Aspekten dieser Wählerwanderung gehört, dass diese Menschen sich ja nicht auf dem Höhepunkt einer Wirtschaftskrise von der Union abwandten – sondern auf dem Gipfel eines langen Booms, der auch dem Osten Vollbeschäftigung brachte. Was also, wenn die Stimmung erst mal wirklich kippt? Wenn sich Verteilungskonflikte entzünden? Und die Stimmungsmache gegen Ausländer erst richtig verfängt? Die Republik steht, jeder spürt das, an einem Wendepunkt.

Der relative Erfolg des sächsischen CDU-Kümmerers Michael Kretschmer zeigt: Wähler wollen Macher, die nicht ausgrenzen, sondern zuhören. Und die danach die Ärmel hochkrempeln. Das gilt nicht nur im Osten, sondern in ganz Deutschland, dessen Wirtschaft unübersehbar vor einem tief greifenden Umbruch steht. Dass die mit Pleiten, Pech und Pannen in ihr Amt gestartete CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer diesen Machertyp verkörpert, glauben wahrscheinlich nicht mal mehr ihre Anhänger. Die CDU hat Bessere. Nicht nur Friedrich Merz. Sondern auch den mit Tatkraft überzeugenden Gesundheitsminister Jens Spahn. Er hat das Zeug, auch Konservative wieder für die Union zu begeistern. Wenn AKK ein „Weiter so“ nicht will, sollte sie bei sich selbst anfangen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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