Finale im Brexit-Drama

Johnson – tabulos und chancenreich

von Redaktion

ALEXANDER WEBER

Seit über drei Jahren tobt die Brexit-Schlacht im Vereinigten Königreich, doch das heute beginnende Finale dürfte alles in den Schatten stellen, was das gespaltene Land bisher schon erschütterte. Tabus gibt es nämlich keine mehr, seit Premier Boris Johnson sogar die Queen mit ihrer Zustimmung zur verlängerten Parlamentspause für seine Strategie missbrauchte.

Wie realistisch die Chancen des Unterhauses sind, in der kurzen Zeit bis zum 31. Oktober noch ein Gesetz gegen den No-Deal-Brexit zu verabschieden (das auch vom Oberhaus gebilligt werden muss), ist schwer zu sagen. Das größte Problem im Parlament ist schon länger die fehlende personelle Alternative zum jeweiligen Tory-Premier, auf die sich alle Nicht-Brexiteers einigen könnten. Der Altlinke Labour-Chef Corbyn ist jedenfalls für die meisten Abgeordneten eine Schreckensfigur, für die selbst Meuterei-bereite Johnson-Gegner niemals die Hand heben würden. Die Hoffnung, Johnson per Misstrauensvotum zu kippen, ist daher nicht allzu groß. Auch bei einer vorgezogenen Neuwahl hätte Johnson gute Chancen: Kurz nach dem Brexit am 31. Oktober wäre ein für ihn geeigneter Moment. Sein Slogan dann: Ich habe geliefert!

Alexander.Weber@ovb.net

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