Die FDP lief am Sonntag unter dem Radar der großen Schlagzeilen. Deshalb sollte man hier noch einmal festhalten: Ihre Ergebnisse in Sachsen und Brandenburg waren schallende Ohrfeigen. Seit dem Nein zu Jamaika dümpeln die Liberalen dahin. Christian Lindners Plan, seiner Partei in der Opposition noch mehr Profil zu geben, ist gescheitert. Die AfD ist lauter, die Grünen trägt der Zeitgeist. Die FDP aber bräuchte einen Neustart.
Noch im Wahlkampf 2018 galten die Liberalen als die Antreiber bei Modernisierung und Digitalisierung. Was ist daraus geworden? Und wo sind die Reformideen für die bequem gewordene Wirtschaft? Statt beispielsweise aus der Klimadebatte Rückenwind für technologische Innovation zu generieren, stolperte Lindner über ein überhebliches Zitat („Klimaschutz den Profis überlassen“).
Schon klar: Im Osten der Republik hatten es die Liberalen nie leicht. Doch schon die Europawahl hätte mit bundesweit 5,4 Prozent als Alarmzeichen dienen müssen. Die Partei muss ihren Themen neuen Nachdruck verpassen – in Rezessions-Zeiten sollte das möglich sein. Und sie muss neue Gesichter nach vorne rücken. Die Bundestagsfraktion hätte ein paar zu bieten. Allein auf Lindner zu setzen, war schon immer riskant einseitig.
Mike.Schier@ovb.net