MIKE SCHIER
Vom großen Philosophen Andreas Brehme stammt der schöne Satz: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“ Nun gut, eigentlich war Brehme nur ein Fußballer, aber seine Lebensweisheit trifft gerade sehr passend auf die SPD zu. Dort hat sich soeben Olaf Scholz, der einzig wirklich prominente Kandidat für den Parteivorsitz, mit der Potsdamerin Klara Geywitz eine unverbrauchte Tandem-Partnerin gesucht – und schon fliegt die 43-Jährige in Brandenburg aus dem Landtag. Nun drängt sich die Frage auf: Hat eine regionale Wahlverliererin das Zeug dazu, die ganze Bundespartei zu erneuern?
Immerhin: Geywitz bekommt ausreichend Gelegenheit, sich der Basis als Macherin zu präsentieren. 23 – in Worten: dreiundzwanzig – Regionalkonferenzen hat die Partei anberaumt. Dabei werden jetzt 17 – in Worten: siebzehn – Kandidaten durchs Land tingeln und darüber streiten, wie die Partei noch zu retten ist. Man möchte ihnen zurufen: So vermutlich nicht! Das ehrenwerte Ziel, die Suche nach einer neuen Parteispitze möglichst basisdemokratisch zu gestalten, ist aus dem Ruder gelaufen. Dass zuletzt auch noch der unvermeidliche Jan Böhmermann über eine Kandidatur nachdachte, war völlig unnötig – der ganze Prozess ist auch ohne ihn absurd genug.
Seit Monaten beschäftigt sich die SPD vorwiegend mit sich selbst. Die Wahlen in Sachsen und Brandenburg zeigen aber, was die Bürger wollen: Beiden Ministerpräsidenten gelang die Trendwende, weil sie bei aller Bürgernähe Tatkraft verkörperten und klare Botschaften setzten. Nach 14 Jahren Merkels „Politik der kleinen Schritte“ sehnen sich viele schlicht nach Führung. Dass die SPD in ihrem Selbstfindungskurs da ein überzeugendes Angebot für die Wähler generiert, ist schwer vorstellbar.
Mike.Schier@ovb.net