Ein Bild sagt bekanntlich oft mehr als tausend Worte: Wie der erzkonservative Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg sich in einer der wichtigsten Debatten, die das britische Unterhaus in der jüngsten Geschichte führte, auf die grün bepolsterte Regierungsbank fläzte und mit demonstrativ gelangweilter Mimik die Debattenbeiträge der Abgeordneten kommentierte, zeigt die ganze Verachtung für politischen Anstand und jahrhundertealte Regeln, die in der Tory-Regierung spätestens mit Premier Boris Johnson Einzug gehalten hat.
Rees-Mogg repräsentiert mit seinem ganzen Habitus samt steifer Oberlippe idealtypisch jene elitäre englische Oberschicht, die nicht wahr haben will, dass die Ära des Victorianischen Weltreiches der Vergangenheit angehört. Und die bereit ist, mit einem harten Brexit den Wohlstand und Bestand des Vereinigten Königreiches zu riskieren, nur um die alte Ordnung zurückzuholen. Und das angeblich im Namen des Volkes, das 2016 nur mit knapper Mehrheit für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt hat – ohne auch nur im geringsten Art und Umfang dieses dramatischen Kurswechsels definiert zu haben. Das Parlament mit Geringschätzung zu strafen, es ausschließen zu wollen und dafür die Königin zu instrumentalisieren – man kann nur hoffen, dass dieser Sittenverfall nicht auch noch belohnt wird!
Alexander.Weber@ovb.net