Die vermutlich manipulierte Wahl in Russland und auf der Krim wird Wladimir Putin am Sonntag gewinnen. Aber die Proteste der vergangenen Monate in Moskau waren das erste Wetterleuchten, dass dem Langzeitherrscher beim Griff in die machtpolitische Trickkiste die Ideen für seine „gelenkte Demokratie“ ausgehen: Mit der Verstrickung in den Syrienkrieg erntet er keine Beifallsstürme mehr. Seit dem Verfall des Ölpreises steht es schlecht um die Wirtschaft im Land. Die Muskelspiele als sportlicher Kraftprotz helfen auch nicht mehr. Längst ist die Euphorie über die „Heimholung“ der Krim verflogen, die Sanktionen drücken. Den Russen wird bewusst, welche Summen, die eigentlich für Investitionen im ganzen Land nötig wären, in die Halbinsel gepumpt werden.
In der Diskussion ist nun ein Plan, die Russische Föderation mit Weißrussland zu vereinigen. Das hätte für den Kremlchef einen Vorteil: Da ihm 2024 gesetzlich keine weitere Kandidatur als Präsident mehr möglich ist, könnte er in dem neuen Staatsgebilde wieder inthronisiert werden. Für eine politische Zeitenwende in Russland wäre aber zu hoffen, dass Alexander Lukaschenko lieber Herr in Belarus bleibt, als sich Zar Wladimir unterzuordnen und dessen Amtszeit so zu perpetuieren. Das ist aber – nach dem Motto „Pest oder Cholera“ – für die Menschen dort eine tragische Alternative: Denn der Weißrusse hat den zweifelhaften Ruf, „Europas letzter Diktator“ zu sein.
Bernd.Kreuels@ovb.net