Trump stoppt Deal mit Taliban

von Redaktion

Schon wieder eine Kehrtwende im Weißen Haus: US-Präsident Donald Trump lässt die Geheim-Gespräche mit den Taliban platzen – kurz vor einem möglichen Abkommen.

VON SHAUN TANDON

Washington – Kurz vor der möglichen Unterzeichnung eines Friedensabkommens für Afghanistan hat US-Präsident Donald Trump die Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban überraschend abgebrochen. Angesichts des jüngsten Taliban-Anschlags in Kabul, bei dem ein US-Soldat starb, erklärte Trump die Gespräche via Twitter für beendet. Für Sonntag geplante Geheimtreffen mit den Taliban sagte er ab. Die afghanische Regierung erneuerte daraufhin ihre Forderung nach einer direkten Beteiligung an Friedensverhandlungen.

Die Verhandlungen befanden sich auf der Zielgeraden. Nach US-Angaben erzielten beide Seiten bereits eine Grundsatzeinigung. Für Sonntag hatte Trump nach eigener Aussage eine historische Begegnung geplant: Auf seinem Landsitz Camp David nahe Washington wollte er führende Taliban-Vertreter sowie den afghanischen Staatschef Aschraf Ghani zu getrennten Treffen empfangen. Mit ihren Anschlägen hätten sich die Taliban aber als Verhandlungspartner disqualifiziert, schrieb Trump. Verhandlungsführer Mulllah Baradar ist ein Gründungsmitglied der Taliban, die in Afghanistan zwischen 1996 und 2001 ein Schreckensregime führten und nach 2001 Tausende Menschen getötet haben.

Die Taliban hätten versucht, „ihre Verhandlungsposition zu stärken“, indem sie den Selbstmordanschlag am Donnerstag für sich reklamierten, bei dem „einer unserer großartigen Soldaten“ sowie ein rumänischer Soldat und zehn weitere Menschen getötet wurden, schrieb der US-Präsident. Als Reaktion auf die Attacke habe er das Treffen in Camp David und die Friedensverhandlungen „umgehend abgesagt“.

Die USA, die 2001 nach den Terroranschlägen des 11. September in Afghanistan einmarschiert waren und die Taliban gestürzt hatten, verhandeln seit knapp einem Jahr mit der radikalislamischen Gruppe. Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, hatte kürzlich erklärt, es gebe bereits eine Grundsatzeinigung. Demnach wollten die USA rund 5000 der insgesamt 13 000 Soldaten von fünf Stützpunkten in Afghanistan abziehen. Die Taliban sollten sich im Gegenzug vom Terrornetzwerk Al-Kaida lossagen, die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen und direkte Verhandlungen mit der Regierung in Kabul aufnehmen.

Die afghanische Regierung meldete allerdings immer wieder Bedenken hinsichtlich des geplanten Friedensabkommens an. Auch international gab es Sorgen, dass die islamistischen Aufständischen auf diese Weise zurück an die Macht kommen würden.

Nach dem Abbruch der Verhandlungen erntete Trump Lob aus Kabul. In einer Erklärung des afghanischen Präsidialamtes wurden am Sonntag „die aufrichtigen Bemühungen seiner Verbündeten“ um Frieden gelobt. Kabul sei entschlossen, „mit den USA und anderen Verbündeten zusammenzuarbeiten, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen“. Dazu seien aber „direkte Gespräche mit der afghanischen Regierung“ nötig.

In Washington sorgte die Absage für Erstaunen. Die frühere US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Laurel Miller, nannte die nun publik gewordenen Pläne für das Treffen in Camp David „eine ziemlich große Überraschung“. Aber angesichts der zahlreichen Taliban-Anschläge sei unklar, wieso ausgerechnet die Attacke den Präsidenten zum Abbruch der Gespräche bewegt habe, fügte Miller hinzu, die jetzt für die Nichtregierungsorganisation International Crisis Group arbeitet.

Die radikalislamischen Taliban hatten ihre Angriffswelle in Afghanistan in den vergangenen Tagen fortgesetzt: Bei zwei Autobombenanschlägen in der Hauptstadt Kabul und in der östlichen Provinz Logar waren nach Behördenangaben am Donnerstag mindestens 16 Menschen getötet worden.  (mit dpa)

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