Debatte um SUV-Verbote

Der falsche Lockruf schneller Lösungen

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Sportgeländewagen verbieten! Ihre Fahrer vertreiben! Jedem Städter maximal Zwergauto oder Fahrrad zuteilen! Sonst noch jemand mit schnellen und dummen Vorschlägen in der SUV-Debatte unterwegs? Der Streit um die dicken Autos emotionalisiert, er bedient Neidreflexe und die neue Nationalleidenschaft, unsere Schlüsselindustrie kaputtzureden. Im Übereifer verwechselt mancher gar den Abzockverein „Umwelthilfe“, der aus dem tödlichen SUV-Unfall in Berlin politisch Profit schlagen will, mit einem seriösen Ratgeber. Hilfreich ist nichts davon.

In den meisten Städten gibt es beim Auto drei gegenläufige Trends. Insgesamt eine Verdichtung: mehr Menschen, mehr Autos. Eine Abkehr vom Auto als Statussymbol, hin zu kleineren Fahrzeugen, alternativen Antrieben, Car-Sharing. Und, was dazu gar nicht passt, steigende Zahlen von SUVs in allerlei Größen, von denen viele nicht mehr in eine Duplex-Garage passen. Eine Gesellschaft darf lachen oder schimpfen über Allrad-Protzerei auf Stadtasphalt. Der Staat hat in der Marktwirtschaft aber nicht vorzuschreiben, wer welches Auto fahren darf.

Kurzfristig muss die Polizei bei Unfallhäufungen einschreiten – mit aller Kontroll- und Sanktionsmacht. (Wobei es ein Irrglaube ist, einzig ein SUV könnte schwere Unfälle verursachen.) Lenken kann langfristig aber vor allem die Stadtplanung. Mit dem (Um-)Verteilen von Park- und Verkehrsflächen, Fuß- und Radwegen, mit E-Ladestationen, Gebühren, Anforderungen an Neubauten und mehr Nahverkehr kann eine Kommune auf lange Sicht eingreifen. Wer Münchens Verwaltungsprobleme erlebt oder die vertrödelte Wohnungspolitik der letzten Jahrzehnte, ahnt: Schnell geht das nicht. Hopplahopp-Verbotsdebatten sind aber kein geeigneter Ersatz, um das Miteinander im öffentlichen Raum neu auszutarieren.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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