Wenn es so etwas wie Kontinuität im Weißen Haus gibt, dann ist es der ständige Austausch des Spitzenpersonals. Aus Donald Trumps Sicherheitsteam hält sich allein Außenminister Mike Pompeo seit Trumps Amtsantritt in leitender Funktion. Jetzt hat es mit John Bolton bereits den dritten Sicherheitsberater des Präsidenten erwischt, der aufgrund seiner großen Erfahrung wohl geglaubt hatte, den außenpolitisch unbedarften Chef lenken zu können. Eine Fehleinschätzung. Ob er am Ende zurücktrat oder gefeuert wurde, ist nicht entscheidend.
Für die Welt ist Boltons Aus eine gute Nachricht. Der 70-Jährige gehört zu jener Generation Washingtoner Falken, die den Einfluss der USA allein über militärische Stärke definiert. Er wäre gerne gegen den Iran härter vorgegangen, weitere Gespräche mit Nordkorea lehnte er ab. Generell drängte er auf ein stärkeres US-Engagement im Nahen Osten – die vergangenen zwei Jahrzehnte lehren, dass dies nicht unbedingt eine gute Idee sein muss.
Jetzt ist der Streit eskaliert. Vermutlich auch, weil Trump nicht duldet, wenn seine Administration ein Eigenleben entwickelt. Man erinnere sich: Der Präsident war eigentlich angetreten, um die US-Truppen aus Krisenregionen wie Syrien oder Afghanistan abzuziehen. Bolton dagegen wollte neue Scharmützel beginnen. Wie es nun weitergeht, lässt sich kaum prognostizieren. Es hängt auch von Boltons Nachfolger ab – und davon, wie lange er sich hält.
MIke.Schier@ovb.net