Wiesbaden – Es dürfte geplant gewesen sein, dass Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kürzlich andeutete, er könne sein Amt vorzeitig niederlegen. Nach seiner überstandenen Krebserkrankung ist das nachvollziehbar. Auch wenn die Hessen-Union nicht mehr der Kampfverband ist, als der sie sich zu Zeiten von Alfred Dregger und Manfred Kanther rühmte, so überlässt sie sicher nichts dem Zufall.
Angst vor allzu wilden Spekulationen muss die Partei eh nicht haben: So wie 2010 klar war, dass Bouffier Roland Koch beerben würde, so gilt heute als recht sicher, dass Finanzminister Thomas Schäfer dem 67-jährigen Ministerpräsidenten nachfolgt – vorzeitig oder als Spitzenkandidat bei der Wahl 2023.
Dass die schwarz-grüne Koalition, die nur eine Stimme Mehrheit hat, dadurch in Gefahr geriete, ist eher nicht zu befürchten. Die nötige Erfahrung hat der 53-jährige Schäfer: Der hochgewachsene 110-Kilo-Mann, Ex-Handball-Torwart des TV Biedenkopf, verheiratet, zwei Kinder, ist seit neun Jahren für Hessens Finanzen verantwortlich. Zuvor war er im Büro von Justizminister Christean Wagner und in der Grundsatzabteilung unter Roland Koch tätig.
Auf Bundesebene machte er sich zuletzt einen Namen bei den schwierigen Verhandlungen um die Reform der Grundsteuer. In der CDU verwurzelt, ist er auch seit vielen Jahren Parteichef im Kreis Marburg-Biedenkopf, wo die CDU mit der SPD koaliert. Damit, sagt man, könnte er auch in Wiesbaden leben.
Mit seinem Schutzschirmgesetz und der Hessenkasse – beides sollte der Verschuldung der Kommunen entgegenwirken – machte Schäfer sich bei Kommunalpolitikern nicht gerade beliebt. Auch derzeit bläst ein Sturm der Entrüstung durch die Rathäuser, weil Schäfer unter dem Titel „Starke Heimat“ aus Sicht vieler Bürgermeister wieder in die kommunale Selbstverwaltung eingreifen will: Die Ende 2019 auslaufende erhöhte Gewerbesteuerumlage zur Mitfinanzierung der deutschen Einheit will er auch künftig von den Kommunen kassieren – um sie dann nach seinen Vorstellungen wieder zu verteilen.
Dabei gibt sich Schäfer gerne jovial. Über einen Nachteil kann das nicht hinwegtäuschen: Der Minister stellt sein Licht nicht gerade unter den Scheffel, was selbst manchen in der CDU unangenehm auffällt. Doch hat das Amt schon manchen verändert, nicht zuletzt Bouffier – einst knallharter Knochen in der Innenpolitik, der zum präsidialen Landesvater wurde.
Natürlich fallen auch mal andere Namen: der des eher farblosen Fraktionschefs Michael Boddenberg (60) aus Frankfurt oder der des Innenministers Peter Beuth. Der 51-Jährige aus Taunusstein, zuvor Generalsekretär der CDU, macht in seinem Amt bislang allerdings keine glückliche Figur. PETRA WETTLAUFER-POHL