Papst hat keine Angst vor Kirchenspaltungen

von Redaktion

Vor der Amazonien-Synode beschäftigt sich Franziskus mit der Frage eines Schismas – Er fordert offene Kritik

Rom – Papst Franziskus ist inzwischen mehr als sechs Jahre im Amt. Sein Gefühl, wie er einmal äußerte, dass der Herrgott ihn für eine „kurze Sache“ berufen habe, vier oder fünf Jahre vielleicht, hat sich bislang nicht bestätigt. Zum Grausen seiner Kritiker sitzt Franziskus weiter äußerst fest im Sattel, ein Ende des Pontifikats ist erst einmal nicht abzusehen. Im Oktober wartet das nächste Großereignis auf die katholische Kirche, die sogenannte Amazonien-Synode. Die Bischöfe sollen dann nicht nur über Waldbrände und das Aufhalten der Umweltzerstörung beraten, sondern auch die Kirche voranbringen. Was das bedeutet, ist freilich Ansichtssache. Verheiratete Priester vielleicht? Der Anfang vom Ende des Zölibats?

Weil Franziskus schwierige katholische Themen nicht scheut und sich auch sonst einmischt, wenn die Schöpfung betroffen ist, gibt es eine Menge Katholiken und Würdenträger, die gar nicht glücklich sind über den 82-jährigen Pontifex. Je mehr Jorge Bergoglio an den Regeln rüttelt, desto härter wird dieser Widerstand. Derzeit regt er sich gerade wieder verstärkt. Der Grund ist das Nahen der Synode, auf der der Papst unter anderem eine Debatte über die Weihe verheirateter Männer in Gang bringen wird.

Auf seiner soeben zu Ende gegangenen Afrika-Reise nahm Franziskus mehrfach zu seinen Kritikern Stellung. „Zuallererst: Kritiken helfen immer“, sagte Franziskus auf dem Rückflug. Auf dem Hinflug hatte Franziskus Kritik aus den USA als „Ehre“ bezeichnet. Kritik gebe es aber nicht nur in den USA, sondern auch anderswo, „selbst in der Kurie“, erklärte der Papst auf dem Rückflug. Offen ist diese Kritik gleichwohl nur selten. Aus Selbstschutz sprechen die meisten Prälaten im Vatikan lieber anonym.

Auch weil er nichts zu befürchten hat, ist der 90 Jahre alte deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller einer ihrer Wortführer in Rom. Bei der Amazonien-Synode wittert Brandmüller einen „radikalen Umbau der Kirche“. Amazonas sei „nur das Etikett, der Geist in der Flasche“ sei ein anderer. Ihm sprangen der wegen Kindesmissbrauch zu sechs Jahren Haft verurteilte australische Kardinal George Pell sowie Kardinal Gerhard Ludwig Müller bei. Den hatte Franziskus wegen unübersehbarer Differenzen vor zwei Jahren als Präfekt der Glaubenskongregation geschasst. „Er hat gute Absichten, er ist ein guter Mann. Der Papst mag ihn. Aber er ist wie ein Kind“, sagte Franziskus über Müller.

Das war demütigend. Und es war fragwürdig, dass sich Franziskus auf der fliegenden Pressekonferenz während des Rückflugs von Mauritius offene Kritik wünschte. Denn Müller ist nicht der Einzige, der seinen Job im Vatikan wegen zu deutlicher Meinungsverschiedenheiten verlor, auch der traditionalistische US-Kardinal Raymond Leo Burke wurde ruhiggestellt.

Franziskus will seinen Kurs verfolgen und dabei so wenig Widerstand wie möglich. Seine innerkirchlichen Entscheidungen, etwa für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen in Einzelfällen macht es nicht allen leicht. Eine Kirchenspaltung befürchtet Franziskus angesichts der Kritiken aber nicht. „Ich bete, dass es keine Schismen gibt, aber ich habe keine Angst“, sagte er und verwies auf Abspaltungen nach dem ersten und dem zweiten vatikanischen Konzil. Alle Schismatiker hätten etwas gemeinsam, sagte Franziskus. „Sie trennen sich vom Volk, vom Glauben des Volkes Gottes.“ JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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