Riad – Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben die Ölproduktion in dem Königreich dramatisch einbrechen lassen und verschärfen die Spannungen am Golf. Die Produktionsmenge sei infolge der „terroristischen Attacken“ um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens pro Tag eingebrochen, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA.
Obwohl sich die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen zu den Angriffen bekannten, machten die USA den Iran dafür verantwortlich. Teheran bestritt jegliche Beteiligung. Der Komplex wird zu den weltweit wichtigsten Ölanlagen gezählt.
UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Angriffe. Er rief alle Beteiligten zu „maximaler Zurückhaltung“ auf. Nach offiziellen Angaben erschütterten am frühen Samstagmorgen mehrere Explosionen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik. Satellitenbilder von NASA und ESA zeigten mehrere riesige schwarze Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit über Saudi-Arabien erstreckten.
Die Brände seien unter Kontrolle, teilte Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman bin Abdulasis kurz darauf mit. Durch die Angriffe sei die Produktion in Abkaik und Churais aber zeitweise ausgesetzt. Auch die Produktion von Flüssiggas sei betroffen. Das könne durch Lagerbestände ausgeglichen werden. Saudi-Arabien will einem Pressebericht zufolge einen Teil der verlorenen Produktionskapazität schnell wiedererlangen. „Wir sollten in der Lage sein, 2 Millionen Barrel pro Tag morgen wieder am Netz zu haben“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person dem „Wall Street Journal“ am Sonntag.
Experten sehen in der Attacke einen Angriff auf das Zentrum der saudischen Ölindustrie. „Selbst wenn die Feuer schnell gelöscht sind und der Schaden in Abkaik nur gering ist, sind die Tore der Hölle ein bisschen weiter geöffnet“, schrieb der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war, auf Twitter.
Zu dem Angriff bekannten sich die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen. Ein Sprecher bezeichnete den Angriff mit zehn Drohnen als „legitime Antwort“ auf die anhaltende Militärkampagne Saudi-Arabiens im Jemen. „Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird“, sagte er.
Das arabische Königreich führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition, die gegen die Huthis kämpft. Diese werden vom Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle.
US-Außenminister Mike Pompeo machte den Iran direkt verantwortlich. „Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen“, sagte er. SIMON KREMER