AfD-Parteitag

Das Gegenteil von bürgerlich

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Gemessen an ihrem Unterhaltungswert (und nur daran) sind AfD-Parteitage unschlagbar. Dass ein Rechtsausleger wie Christoph Maier trotz laufender Ordnungsmaßnahmen des AfD-Schiedsgerichts eine Kandidatur als Parteichef anmeldet, dass ein anderer Rechtsausleger wie Benjamin Nolte trotz Ämtersperre als Vize antritt (und sogar in die Stichwahl kommt), gäbe es in keiner anderen Partei. Auch Katrin Ebner-Steiner, die umstrittene „Flügel“-Frau, unterlag erst in der letzten Wahlrunde. All das sagt viel über eine Partei, die sich selbst bürgerlich nennt.

Sie ist es nicht, in Teilen ist sie sogar das schiere Gegenteil von bürgerlich. Viele ihrer Mitglieder dulden Führungsfiguren, die Gegner „jagen“ (Maier) oder die Partei zur NPD hin öffnen wollen (Nolte). Sie goutieren, dass der – immerhin nun abgewählte – Landeschef Martin Sichert im verzweifelten Kampf um sein Amt die politische Konkurrenz als „Hure“, „Domina“ oder „Ökofaschisten“ bezeichnet. Dafür gibt es viele Adjektive, „unanständig“ ist das dezenteste von allen.

Nun hat der Parteitag Corinna Miazga zur Landeschefin gemacht, weil sie im durchweg rechten Bewerberfeld noch am besonnensten erschien. Aber der Schein trügt. Inhaltlich ist sie auf „Flügel“-Kurs. Was sie will, ist kein bürgerlicher Kurswechsel, sondern bloß eine Imagepolitur. Dass das gemäßigte Lager offenbar nicht willens oder in der Lage war, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, spricht Bände. Unter Miazga wird die AfD vielleicht nach außen hin ruhiger, aber nicht moderater werden.

Marcus.Maeckler@ovb.net

Artikel 1 von 11