Trumps Dilemma

von Redaktion

Saudi-Arabien ist nach den Attacken auf seine Ölproduktion schockiert. Der Konflikt im Jemen hat das Land verwundbar gemacht. Riad fordert entschlossene Maßnahmen gegen den Iran, der verantwortlich sein soll – ein Problem für Donald Trump.

VON JAN KUHLMANN UND JÜRGEN BÄTZ

Riad/Washington – Die hochgerüstete Regionalmacht Saudi-Arabien ist verwundet – und US-Präsident Donald Trump steckt in einer Zwickmühle: Die Bombardierung von Ölanlagen in Saudi-Arabien, die Washington dem Iran zuschreibt, zieht weite Kreise. In der Region droht eine militärische Eskalation. Es könnte schnell dazu kommen.

Aus US-Regierungskreisen hieß es gestern, man verfüge über gesicherte Erkenntnisse darüber, dass die Luftangriffe vom Iran ausgingen. Ein Regierungs-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, sagte zudem der Nachrichtenagentur AFP, dass bei den Angriffen Marschflugkörper eingesetzt worden seien. Um welche Art von Beweisen es sich handelt, wollte er laut „Wall Street Journal“ aber nicht sagen. Saudi-arabische Regierungsvertreter betrachten die US-Informationen der Zeitung zufolge mit Skepsis.

Zu den Attacken vom Samstag hatten sich die Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannt, die vom Iran unterstützt werden. „Die Saudis kannten das Gefühl nicht mehr, verwundbar zu sein“, sagt der Golf-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Guido Steinberg. In den vergangenen Wochen war das sunnitische Königreich zwar immer wieder von den Huthis beschossen worden. Doch die Angriffe vom Samstag hatten eine ganz neue Dimension: Das Herz der Ölförderung wurde getroffen, fast die Hälfte der Produktion wurde gestoppt.

Die Angriffe seien auch deshalb ein Schock für viele Saudis gewesen, weil der Bürgerkrieg im Jemen für sie bislang „etwas weit Entferntes“ war, sagt Steinberg. Sie wähnten sich wohl auch in Sicherheit, weil kaum ein Land so viel Geld in Rüstung steckt wie das Königreich. Zudem erfreut sich das Königshaus über beste Beziehungen zu Trump. Der versprach, er werde die Antwort der USA eng mit Riad absprechen.

Entscheidend wird dabei die Schuldfrage sein: Wer ist für den Angriff verantwortlich? Vertreter der US-Regierung hatten schon früh erklärt, die Huthis hätten den komplexen Angriff hunderte Kilometer von der jemenitischen Grenze entfernt nicht alleine ausführen können. Für Washington scheint daher klar: hinter der Eskalation stecken die schiitischen Mullahs aus dem Iran. Saudi-Arabien erklärte nur, es seien iranische Waffen eingesetzt worden. Gestern forderte das Königreich zudem eine entschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft.

Es ist ein Dilemma für Trump. Er würde wohl gerne Geschichte schreiben und sich als erster US-Präsident seit Jahrzehnten mit der iranischen Führung treffen – wie er es auch mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gemacht hatte. Immer wieder wurde die Möglichkeit eines Treffens mit Irans Präsident Hassan Ruhani am Rande der UN-Vollversammlung im September erwähnt. Doch falls sich die Hinweise auf den Iran als Urheber der Angriffe verdichten sollten, müsste Trump wohl Gegenmaßnahmen anordnen.

Nach dem iranischen Abschuss einer Drohne des US-Militärs im Juni hatte Trump schon mal gezuckt und Luftschläge gegen den Iran in letzter Minute abgesagt. Er bezeichnete diese wegen bis zu 150 befürchteter ziviler Todesopfer als „unverhältnismäßig“. Ließe er eine zweite Aggression unbeantwortet, wären seine Drohgebärden kaum mehr glaubhaft.

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