Gewinner und Verlierer des Klima-Pakets

von Redaktion

Warum Besitzer alter Öl-Heizungen profitieren können – und Senioren eher belastet werden

München – Viele zahlen drauf, aber es gibt auch Profiteure des Klimapakets der Regierung. Unsere Zeitung zeigt, wer gewinnt und wer verliert.

• Gewinner:

Pendler: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) errechnet, dass dank der höheren Pendlerpauschale berufstätige Autofahrer trotz des erhöhten Benzinpreises profitieren. Absurd: Ein gut verdienender SUV-Fahrer wird stärker entlastet als ein Kleinwagenfahrer.

Zugfahrer: Wegen der sinkenden Mehrwertsteuer auf Bahntickets kostet eine Fahrt von München bis Hamburg bald 108 statt 120 Euro. Am meisten sparen Arbeitnehmer, die die ab einem Fahrtweg von mehr als 20 Kilometer erhöhte Pendlerpauschale geltend machen, aber nicht Auto fahren: Bei 50 Kilometern Entfernung sparen sie bis 150 Euro im Jahr.

Besitzer von und Mieter in modernen Wohnungen: Strom wird billiger, Öl und Gas teurer. Nur wer in gut gedämmten Häusern mit modernem Gas-Brennwert-Kessel wohnt, kann sparen: Laut der Rechnung des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) für die FAS kann ein Single, der Warmwasser mit Strom erhitzt, rund 20 Euro im Jahr sparen, ein Paar 35 Euro.

Besitzer alter Ölheizungen: Besonders viel Geld sparen können Besitzer einer alten Ölheizung, die bald eine neue brauchen und jetzt vom Staat unterstützt werden: Wer die alte Heizung gegen ein klimafreundlicheres System austauscht, soll bis zu 40 Prozent der Kosten bekommen.

• Verlierer:

Senioren: Rentner profitieren nicht von der höheren Pendlerpauschale, bekommen also das Benzinpreis-Plus voll ab. Zudem leben sie oft in energetisch sanierungsbedürftigen Häusern, bekommen aber wegen ihres Alters oft keinen Kredit. Sie würden also zwar theoretisch von den neuen staatlichen Förderungen für Dachsanierung oder Dämm-Fenster profitieren – aber nur, wenn sie über genug Eigenmittel verfügen.

Flugreisende: Damit die höheren Flugticket-Preise die Bahn-Steuersenkung finanzieren können, muss die Luftverkehrssteuer auf innereuropäische Flüge von 7,38 auf über zehn Euro steigen. Für Langstrecken werden statt 41,49 knapp 60 Euro fällig. Die FAS geht davon aus, dass ein Flug von München nach Hamburg sich um drei Euro verteuern würde. Es könnte zudem den Effekt geben, dass nach jedem unterlassenen deutschen Flug Verschmutzungs-Zertifikate auf dem Markt übrig bleiben. Das senke den Zertifikate-Preis, sodass anderswo in der EU billiger geflogen werden könne, warnt Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Besitzer von und Mieter in alten Häusern: Wer sein älteres Haus nicht energetisch saniert, zahlt bei der Öl- oder Gasheizung mehr: Das EWI errechnete, dass die Brennstoffkosten wegen der beschlossenen Einbeziehung in den Zertifikatehandel von jährlich 980 Euro im Jahr 2020 auf 1167 Euro im Jahr 2025 steigen (Vier-Personen-Haushalt in Haus mit altem Gas-Brennwert-Kessel für Heizung und Trinkwassererwärmung). Zugleich sinken die Stromkosten von 902 auf 847 Euro im Jahr 2025. Mehrbelastung: 124 Euro im Jahr.  kr

Artikel 1 von 11