Staatsbürgschaft für Condor

Sehr heikel, aber vertretbar

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Viel doofer könnte der Ablauf für die GroKo kaum sein: Mitten in die Klimapaket-Verhandlungen platzt die Condor-Notlage. Kann der Staat ausgerechnet jetzt eine Ferien-Airline mit hunderten Millionen Steuer-Euro retten? Oder sollte der Bund, zynisch gesagt, fürs Klima lieber die paar tausend Arbeitsplätze untergehen lassen?

Die Entscheidung für eine 380-Millionen-Bürgschaft ist heikel – aber vertretbar. Condor rutscht nicht mit Management-Versagen, sondern unverschuldet durch die Thomas-Cook-Pleite in die Krise. Die Fluglinie wäre trotz hohen Investitionsbedarfs profitabel. Nun ist das eine Lage, in die Firmen in der Marktwirtschaft eben geraten; beim kleinen Handwerker, dessen Großkunde nicht zahlt, steht der Staat auch nicht als Bürge auf der Matte. Hier kommt aber ein entscheidender weiterer Faktor ins Spiel: Bei einer Einstellung des Flugbetriebs wären hunderttausende Kunden betroffen. Condor ist ja nicht die Airline für den Geschäftstrip im Business-Class-Bett, sondern ein Urlaubsflieger. Eine Pleite würde viele Menschen – ein großer Teil ist nicht abgesichert – schädigen.

Die Staatshilfe kann nun die nächste Zeit überbrücken, um Condor neu aufzustellen, vielleicht unter den Fittichen der Lufthansa. Raum auf dem Markt ist da, vor allem nach dem Aus von Air Berlin und Germania. Der Staat hat also keine Gewissheit, aber halbwegs gute Aussichten, den Kredit zurückgezahlt zu bekommen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Artikel 10 von 11