Nichts rechtfertigt Hass und Hetze, die der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg vor allem in der digitalen Welt entgegenschlagen. Wer sich aber wie sie mit Wucht in eine weltweite Debatte wirft, wer international Millionen zu Streiks aufruft, der muss in der Sache harten Widerspruch ertragen. In aller Klarheit: Gretas tränenreiche Klage in New York vor den Regierungen aller Welt, ihrer Generation werde „die Kindheit gestohlen“, war in Form und Inhalt so dermaßen überzogen, dass sie ihrem berechtigten Anliegen schadet.
Nein, Greta: Keiner Generation in Europa, wohl seit Menschengedenken, ging es so gut wie dieser, keine erlebte eine Jugend in Wohlstand und Sicherheit, keine hatte so riesige Chancen. Ob die junge Schwedin tauschen möchte mit den Kindern der Kriegs- und Nachkriegsgeneration, oder mit jenen die (noch heute) in Slums oder Flüchtlingslagern aufwachsen? Wahr hingegen ist, dass die Greta-Generation größere Pflichten haben wird, unseren Planeten lebenswert zu erhalten. Das betrifft Umwelt und Klima, aber auch Fragen des Umgangs mit Technologie oder Migration. Dazu braucht es Gestaltungskraft und Mut dringender als Wut und die Pose, indifferent die Welt zu beschimpfen. Greta hat als Inspirationsfigur viel bewirkt. Nur eines darf man über all der Emotion nicht vergessen: Je stärker sich die Klimabewegung radikalisiert, desto geringer wird ihre Überzeugungskraft.
Christian.Deutschlaender@ovb.net