Johnson ein „Mann ohne Scham“

von Redaktion

Heftige Kritik an Rede des Premiers – Keine Auszeit für Parteitag

London – Das britische Unterhaus hat gestern eine dreitägige Sitzungsunterbrechung für den Parteitag der Konservativen abgelehnt. Die Abgeordneten stimmten mit 306 zu 289 gegen den Antrag der Regierung, von Montag bis Mittwoch nicht zu tagen. Für Premierminister Boris Johnson setzt sich die Niederlagenserie im Parlament damit fort. Seit seinem Amtsantritt Ende Juli konnte er noch keine einzige Abstimmung gewinnen. An der Tory-Parteikonferenz in Manchester, die bereits am Sonntag beginnt, soll aber festgehalten werden.

Unterdessen ist Johnson wegen seiner Rede bei der ersten Sitzung im Parlament nach Aufhebung der Zwangspause heftig in die Kritik geraten. Quer durch alle Parteien verurteilten Abgeordnete und viele britische Zeitungen die Wortwahl des Regierungschefs. Johnson sprach von „Kapitulation“ und „Verrat“ im Hinblick auf den aus seiner Sicht längst überfälligen EU-Austritt.

Vor allem eine Bemerkung über die ermordete britische Politikerin Jo Cox sorgte für Entrüstung. Auf die Bitte einer Labour-Abgeordneten, Johnson solle angesichts von Drohungen gegen Parlamentsmitglieder seine Sprache mäßigen, entgegnete er: „Der beste Weg, um das Andenken von Jo Cox zu ehren und dieses Land wieder zu einen, wäre den EU-Austritt zu vollziehen.“ Cox, die sich für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union eingesetzt hatte, war 2016 während des Referendums-Wahlkampfs von einem Rechtsextremisten ermordet worden.

Die Zeitung „Daily Mirror“ bezeichnete den Premier als „Mann ohne Scham“. Kaum ein Premierminister zuvor habe eine so „schändliche Rede“ gehalten.

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