Grüße vom alten Amerika

von Redaktion

Da sind sie noch mal, die USA vor Donald Trump: Bei seinem Besuch in München erklärt der ehemalige US-Präsident Barack Obama besonnen, was die Welt bewegt – und hat auch für seinen Nachfolger ein paar Zwischentöne übrig.

VON MARCUS MÄCKLER

München – Es brauchte nicht viel, um ihn hierher zu locken, in Halle C1 der Messe München – bloß ein urbayerisches Kleidungsstück. „Man hat mir eine Lederhose gegeben“, sagt Barack Obama und lächelt ins Publikum. „Im Hotelzimmer habe ich sie gleich mal anprobiert – und ich muss sagen, ich sah ziemlich gut aus. Ich nehme sie mit nach Hause zu Michelle.“

Man möchte ihm das glauben – und trotzdem war es wohl etwas komplizierter (und teurer), Obama nach München zu holen. Zwei Jahre sollen die Organisatoren der Gründermesse „Bits & Pretzels“ am ehemaligen US-Präsidenten herumgebaggert haben. Sie bearbeiteten sein Umfeld; sie schickten ihm ein Video (samt Lederhosen-Versprechen); sie setzten ihm – so erzählen sie es – Deadlines. Ein freches Späßchen.

All das war nicht umsonst. Schließlich sitzt Obama jetzt, locker in einen Stuhl gelehnt, vor 5000 gespannten Zuhörern in München. Die Eröffnungsfeier läuft da schon eine Weile, Organisatoren und Mitwirkende haben sich vorgestellt. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat einen Auftritt – und kämpft sich mit niederbairischem Englisch durch seine Rede.

Dann endlich er: Barack Obama. Er soll aus seiner Zeit als Präsident berichten und der Gründerszene erklären, was „Leadership“ (Führungskompetenz) ausmacht. Sein Auftritt erinnert ein wenig an die Jahre, in denen es im Weißen Haus noch ruhiger zuging als heute. Er spricht ruhig und pointiert – und es dauert nicht lange, bis er bei der Klimaaktivistin Greta Thunberg landet. „Sie ist außergewöhnlich“, sagt Obama, der die Schwedin erst vor einigen Tagen traf. „Sie ist sehr jung und trägt eine schwere Bürde. Eine 16-Jährige sollte so etwas nicht tun müssen.“

Greta, sagt der heute 58-Jährige, erinnere daran, dass „diejenigen unter uns, die behaupten, erwachsen zu sein, unserer Verantwortung oft nicht gerecht werden“. Gerade beim Thema Klimawandel folgten Politiker zu oft Stimmungen, statt zu führen. „Sie sind ja ein gebildetes Publikum. Ich muss sie sicher nicht davon überzeugen, dass der Klimawandel existiert.“

Im Saal brandet auf einmal Applaus auf – natürlich weiß jeder hier, auf wen Obama damit anspielt. Es ist wohl seine Art, mit den Eskapaden und dem Politikstil des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump umzugehen, ohne ihn direkt beim Namen zu nennen. Florett statt Säbel, selbst wenn es wegen der Ukraine-Affäre im Weißen Haus gerade lichterloh brennt.

Aber Trump ist nicht sein Hauptthema. Das ist die junge Generation, die Veränderung will. „Klar, die jungen Leute wollen Karriere und Geld machen. Aber sie wollen auch ethisch handeln“, sagt Obama. Er sehe Mut, Innovation und Idealismus. „Es gibt da draußen überall Gretas.“ Die große Vision, der Zusammenhalt, „Yes, we can“ – Obama ist, zumindest rhetorisch, der Alte geblieben.

Die Absicht hinter seinem kurzen München-Besuch ist schnell klar: Optimismus verbreiten, auch wenn es momentan nicht viel Grund dazu gibt. Zu lange hätten westliche Politiker die Augen davor verschlossen, „dass Wandel auch Angst machen kann, wenn er zu schnell geht“. Es habe sich eine „Brüssel-Washington-Arroganz“ eingeschlichen, deren Konsequenzen die westlichen Demokratien nun zu spüren bekämen. Der Rechtsruck, das Infragestellen von Humanismus und Menschenwürde, all das.

Obama fordert, die „Idee von Demokratie und Menschenrechten wiederzubeleben“. Und er fordert, die „Bedeutung von Fakten“ wiederherzustellen. Noch mal ein Gruß an den Mann im Weißen Haus. Noch mal wilder Applaus in München.

Woher er all den Optimismus nimmt, will die Interviewerin auf der Bühne zum Schluss wissen. Da erzählt Obama eine kurze Anekdote aus seiner Präsidentschaft. Als die Gesundheitsreform auf der Kippe stand, da sei ein Mitarbeiter auf ihn zugekommen und habe gefragt: „Mr. President, sind Sie zuversichtlich?“ Er habe geantwortet: „Wenn dein Name Barack Hussein Obama ist und du im Weißen Haus bist, dann musst du optimistisch sein.“

Dann geht der einst mächtigste Mann der Welt von der Bühne – und steigt bald danach ins Flugzeug. Der Wiesn-Besuch, auf den manche hofften, fällt aus. Trotz neuer Lederhose.

Artikel 11 von 11