Neuer Pflege-TÜV

Die Illusion der Heim-Auswahl

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Der Pflege-TÜV wird reformiert. Damit nimmt Deutschland endlich Abschied von einem Bewertungssystem, in dem fast alle Heime immer mit „sehr gut“ abgeschnitten haben. Dass diese Lächerlichkeit ein Ende hat, ist gut. Ob mit dem neuen System aber nun plötzlich alles besser wird, ist gleichzeitig äußerst fraglich.

Die Qualität in den Pflegeheimen werde sich durch die neue Bewertung verbessern, versprechen die Kassen. Das wäre schön. Doch letztlich werden es die Heime selbst sein, die ihre eigenen Leistungen beurteilen – auch wenn der Medizinische Dienst der Kassen stichprobenartig nachkontrolliert. Und: Das neue System mag zwar aussagekräftiger sein als die bisherigen Pflegenoten, es ist aber auch deutlich unübersichtlicher. Für Laien ist es deshalb nicht einfach, sich einen Überblick zu verschaffen. Doch zugegeben: Das zu kritisieren erscheint etwas seltsam, nachdem es ja gerade das zu simple Notensystem war, das man loswerden wollte.

Das eigentliche Problem bei der Heimsuche ist ohnehin ein anderes: Gerade in den guten Häusern sind freie Plätze Mangelware. Dazu kommt: Wer in der Realität einen lieben Menschen gut versorgt wissen will, braucht für ihn nicht irgendeinen Heimplatz irgendwo, sondern ein Heim in Wohnortnähe, in dem man selbst regelmäßig nach dem Rechten schauen kann. Was bringt Angehörigen also der beste TÜV, wenn sie in der Realität oft ohnehin fast keine Auswahl haben?

Sebastian.Horsch@ovb.net

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