Straches Rückzug

Kein Hauch von Bürgerlichkeit

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Als „bsoffene Gschicht“ hat Heinz-Christian Strache sein Ibiza-Video relativiert, als wär er nach einem Bierfest kurz an eine Laterne getorkelt. Dabei hat Österreichs Ex-Vizekanzler angesetzt, sein Land und alle seine Werte zu verraten, sich politisch zu prostituieren für ein paar Stimmen und eine vermeintliche Oligarchen-Nichte. Dieser Strache, der sich so gern als Opfer einer Verschwörung präsentiert, verkündet nun den Politik-Rückzug. Nun ja: Für ihn wäre nicht mal mehr in der FPÖ ein Platzerl frei.

Dass Strache für immer verschwindet, darf man bezweifeln, zu wendig, geradezu hydraesk ist Österreichs traditionsreiche Rechtspopulisten-Szene. Es gibt aber noch genügend seiner Klasse, als dass man die FPÖ als geläutert im bürgerlichen Lager einordnen dürfte. Herbert Kickl mit seinen düsteren Verbindungen zu den Identitären ist einer davon. Dass so einer Innenminister werden konnte und Strache Vizekanzler, lässt uns viel lernen über die Verletzbarkeit westlicher Demokratien.

Jetzt wird spannend, ob die ÖVP von Bald-Wieder-Kanzler Kurz daraus weiter Kapital schlägt. Sie kann jetzt als einziger seriöser Garant für eine strikt konservative Linie bei Migration und Sicherheit stehen. Kurz mangelt es ja nicht an besserwisserischen Bündnis-Empfehlungen und Belehrungen auch aus deutschen Medien – aber er weiß selbst längst: Genau dieses zentrale Politikfeld wird er auf keinen Fall mehr aus der Hand geben.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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