Razzia im Vatikan

von Redaktion

Vor der Amazonien-Synode droht dem Vatikan ein neuer Finanzskandal

Vatikanstadt – Blitz und Donner gingen am Donnerstag über Rom hinunter, als wenige Tage vor Beginn der Bischofssynode deren Generalsekretär, Kardinal Lorenzo Baldisseri, vor der internationalen Presse Inhalt und Ablauf vorstellte. Schon seit Monaten wird unter Bischöfen, Theologen und Laien heftig über die Themen diskutiert.

Zwar geht es in der Versammlung der insgesamt 185 Synodalen, darunter 35 Frauen, vordergründig um die Amazonas-Region. Also um Schutz und Seelsorge für die indigenen Stämme, den Erhalt des natürlichen Lebensraums und den akuten Priestermangel. „Befeuert“ durch die Waldbrände in den Urwäldern Amazoniens erlangt der ökologische Aspekt eine besondere Bedeutung.

Im Hintergrund dreht sich jedoch alles um die Frage, wie weit einzelne Bischofskonferenzen innerhalb der katholischen Weltkirche gehen können, um ihre spezifischen sozialen und kulturellen Probleme zu lösen. Ob in den betroffenen Ländern Südamerikas künftig verheiratete Priester, sogenannte „Viri Probati“ (glaubensfeste Familienväter mittleren Alters), zur Regel werden, ist daher eine Frage, die an den Grundfesten des Zölibats rüttelt. Als Ausnahmeregelung besteht diese Möglichkeit auch in Deutschland.

Entsprechend hoch schlagen die Wogen zwischen Bewahrern und Reformern. „Ich glaube nicht, dass wir verheiratete Priester brauchen, um der Kirche in Amazonien ein Gesicht zu geben“, sagte etwa der einflussreiche Präfekt für die Bischöfe, Kardinal Marc Quellet. Zu den Teilnehmern des dreiwöchigen Treffens zählt auch Münchens Kardinal Reinhard Marx.

Derweil braut sich ein neuer Skandal rund um die Vatikanbank IOR zusammen. Eine Spezialeinheit der Gendarmerie durchsuchte am Dienstag mehrere Büros im Staatssekretariat, in der vatikanischen Finanzaufsicht und der Bank selbst.

Die Justiz des Kirchenstaates ermittelt dabei, so wurde bekannt, gegen hochrangige Mitarbeiter. Sie sollen in milliardenschwere Geschäfte auf dem Londoner Immobilienmarkt verwickelt sein. Ob es dabei legal zuging, ist Gegenstand der Untersuchungen.

Die fünf verdächtigen Prälaten wurden auf Geheiß von Papst Franziskus umgehend vom Dienst suspendiert.

INGO-MICHAEL FETH

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