Das Erntedankfest wird in vielen Gemeinden an diesem Sonntag wieder gefeiert. Dazu gibt es kein schöneres Lied als das, was Matthias Claudius dazu 1783 gedichtet hat: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“
Wer als praktischer Landwirt heute zurückblickt auf sein Wirtschaftsjahr, darf das tun in dem festen Bewusstsein, dass er in seiner Arbeit für die Ernährung wieder einer guten Sache gedient hat. Kein Beruf ist der Natur so verbunden und keiner arbeitet über Generationen so nachhaltig wie der Landwirt. Land- und Forstwirte sind es auch, die unsere blühende Kulturlandschaft geschaffen haben. Die ist aber keine unbewegte Momentaufnahme, wie es grüne Romantik bis zu jedem einzelnen Baum und Strauch erhalten möchte. Vielmehr muss auch die Gestaltung der Natur einem Entwicklungsprozess unterliegen, wie alles, was uns umgibt, sich ständig verändert, bis hin zum Klima.
Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt führt auch die moderne Landwirtschaft zu immer größeren Erfolgen im Tier-, Pflanzen- und Umweltschutz. In den großen entwickelten Agrarstaaten dieser Welt ist schon zu besichtigen, wie in der Tierzucht und im Pflanzenbau immer mehr erreicht werden kann. Vorsichtige genetische Veränderungen sowie eine immer differenziertere Agrarchemie für den Pflanzenschutz gehören dazu. Deutschland dagegen, das einmal auch hier an der Weltspitze stand, hinkt hinterher. Kein Wunder ist das, denn wo immer mehr verboten wird und ein Ungeist der Fortschrittsfeindlichkeit um sich greift, da lohnt es kaum, Neues zu entwickeln. Hierzulande bleibt es bei einer Wirtschaftsweise, die schon bald nicht mehr wettbewerbsfähig sein wird.
Der Beruf des Landwirtes – ob groß oder klein – war und ist noch nie etwas gewesen, wo das Geldverdienen im Vordergrund steht. Landwirt sein war immer zuerst eine Lebensweise mit dem besonderen Reiz, selbständig handeln und entscheiden zu können. Auch das droht in Deutschland mehr und mehr zu versinken in einem Meer von Vorschriften, Verboten und Dokumentationspflichten. Und die naturfremden Initiativen einer romantischen Ideologie treiben eine um Wähler bangende Politik zu einer total verwalteten Landwirtschaft. Das wird nicht funktionieren, wie überall der Wohlstand verschwindet, wo der Staat alles lenken will. Welcher Landwirt wird heute am Erntedanktag noch seinem Sohn empfehlen, diesen überverwalteten Beruf zu ergreifen?
Die grüne Agrarpolitik gibt vor, gerade die kleinen Familienbetriebe erhalten zu wollen. Ihr Feindbild dagegen sind die Großbetriebe, die es in Wahrheit bisher kaum gibt in Deutschland. Die Gängelung der Landwirtschaft macht aber vor allem den kleineren Landwirten das Arbeiten unverhältnismäßig schwer. Wer kleinere Felder hat, der wird überdurchschnittlich beschnitten, wenn er die Randstreifen an Gräben und Gewässern nicht mehr bestellen darf. Der kleine Viehwirt kann das Geld kaum aufbringen für einen Laufstall. Der rechnet sich nur ab einer gewissen Größe. Dazu kommen Grassilos, für deren Errichtung Genehmigungsverfahren vorgeschrieben sind, die nicht mehr beherrschbar sind. Der Herrgott, auf den der fromme Claudius vertraute, sitzt heute in den Amtsstuben der Behörden und überlegt, wie er Wachstum und Gedeihen erschweren kann.
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