Neue Krawalle in Hongkong

von Redaktion

Proteste gegen Vermummungsverbot vor chinesischer Kaserne

Hongkong – Die Verhängung des Vermummungsverbotes in einem Rückgriff auf koloniales Notstandsrecht hat am Wochenende in Hongkong neue Proteste ausgelöst, die in schweren Ausschreitungen mündeten. Dutzende Demonstranten wurden festgenommen. Die prodemokratischen Regierungskritiker konnten das Notstandsgesetz am Sonntag vor Gericht zwar nicht stoppen, aber einen Teilerfolg erringen. Der Richter lehnte eine einstweilige Verfügung ab, erließ aber eine ausführliche richterliche Überprüfung, die Ende Oktober stattfinden soll.

Trotz anfänglich heftigen Regens demonstrierten Zehntausende in ungenehmigten Protestmärschen in der Innenstadt und auf der Halbinsel Kowloon sowie in anderen Stadtbezirken. Um dem Vermummungsverbot zu trotzen, trugen viele Gesichtsmasken. Auch wollten einige bei dem Protest einfach nicht erkannt werden – und sei es nur, weil sie für eine Firma arbeiten, die Geschäfte mit China mache, wie ein Demonstrant über sich sagte.

Radikale Demonstranten hingegen trugen Masken gegen Tränengas und gegen eine Identifizierung durch die Polizei. Im Anschluss an die Märsche kam es zu Krawallen. Schwarz vermummte Randalierer warfen Brandsätze, demolierten U-Bahn-Einrichtungen und Geschäfte oder Banken mit Beziehungen zu China. Besonders in Kowloon herrschte auf vielen Straßen Chaos bis in den Abend. Die Polizei ging mit Tränengas, Schlagstöcken und Gummigeschossen vor.

Erstmals zogen die Demonstranten zur Kaserne der in Hongkong stationierten chinesischen Truppen. Es kam zu einer ersten Interaktion zwischen beiden Seiten. Demonstranten leuchteten mit Laserpointern über die Mauern der Militäranlage, während Soldaten auf dem Dach mit Kameras und Ferngläsern die Aktion verfolgten. Die Volksbefreiungsarmee hisste schließlich eine gelbe Flagge, die als Warnzeichen für eine illegale Versammlung gilt und Festnahme androht. Die Demonstranten suchten das Weite.

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