Auto-Blockade und Grünen-Pläne

Radikal fürs Klima

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Für die Klimabewegung, jedenfalls Teile von ihr, ist die Zeit des Redens vorbei: Aktivisten von „Extinction Rebellion“ errichteten am Samstag Barrikaden in einem Pariser Einkaufszentrum. Heute wollen sie in Berlin den Verkehr lahmlegen. Geiselnahme im Klimakampf? Wenigstens den Grünen dürfte das gefallen, zielt doch auch ihr jetzt vorgelegtes Maßnahmenpaket zuerst auf die Autofahrer. „Radikal realistisch“ soll es sein und ein Verbot neuer Bundesstraßen ebenso umfassen wie eine drastische Verteuerung der Spritpreise und das lang ersehnte Tempolimit. Nach dem Klimakiller Auto will sich die Ökopartei Fleischesser und Betriebe vorknöpfen; für deren Angestellte soll eine „Wahlarbeitszeit zwischen 30 und 40 Stunden“ eingeführt werden.

Das ist in der Tat radikal. Ob die Kürzung der Arbeitszeit angesichts des Fachkräftemangels aber auch realistisch ist (oder ob dafür noch mehr Zuwanderung organisiert werden muss), steht auf einem anderen Blatt. Eines ist es ganz gewiss: sehr teuer. Doch das Wagnis glauben die Propheten der Klimaapokalypse eingehen zu können, nachdem sie den Menschen nun lange genug Angst eingejagt haben.

Die Klimadebatte radikalisiert sich. Zwischen jenen, die den menschengemachten Teil des Klimawandels ignorieren, und den Weltuntergangstrommlern, die wie Greta die Welt in Panik versetzen wollen, bleibt immer weniger Platz für Augenmaß. Nur Hartgesottene werden heute noch bestreiten, dass dem reichen Industrieland Deutschland eine Verantwortung zukommt, sich gegen den Klimawandel zu engagieren. Das kann es angesichts seines geringen eigenen Beitrags zu den globalen CO2-Emissionen aber am besten, indem es eine Klimawende bewerkstelligt, die wegen ihres Erfolgs weltweit kopiert wird. Mit grünen Verbots- und Verteuerungsarien und einer neuen Wachstumsfeindlichkeit wird es kaum gelingen, die Menschen zum Mitmachen zu animieren. Denn sie münden in eine Zweiklassengesellschaft, in der die Ärmeren verzichten müssen, während die anderen, wie Vielfliegerin Katharina Schulze, sich von ihren Klimasünden freikaufen können.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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