Koulikoro/Berlin – Annegret Kramp-Karrenbauer schreibt und schreibt. Den Notizblock hat die Verteidigungsministerin immer dabei, wenn Kommandeure zu Lageberichten ansetzen. Oberst Christian Schmidt trägt am Montag in Koulikoro zur „Lage gegnerischer Kräfte“ in Mali vor. Die Bundeswehr ist in dem westafrikanischen Krisenstaat, der von terroristischen Angriffen und organisierter Kriminalität erschüttert wird, an zwei Militäreinsätzen beteiligt – unter dem Dach der Vereinten Nationen und der Europäischen Union.
Es ist der zweite Tag einer Reise, bei der der CDU-Chefin die Berliner Politik und womöglich auch eigene Parteifreunde stets im Nacken sitzen. In der Truppe hat sie sich seit dem Amtsantritt einen Ruf als gute Zuhörerin erworben. Doch die öffentliche Zustimmung scheint im Keller. In zwei neuen Umfragen erhielt AKK zuletzt wenig Unterstützung für eine mögliche Kanzlerkandidatur.
Die „Bild“ berichtete am Montag zudem, das Verteidigungsministerium habe einen Auftritt ihres Unionskollegen und innerparteilichen Konkurrenten Jens Spahn vor der Truppe in Mali verhindert. Der Gesundheitsminister habe ihr mit einem Auftritt vor den Soldaten nicht zuvorkommen sollen. Das Verteidigungsministerium weist das zurück und erklärt, es habe keine offizielle Anfrage gegeben.
Fraglos aber war Spahn gerade im Kongo und drei anderen afrikanischen Ländern, um sich ein Bild vom Kampf gegen die Ebola-Epidemie zu machen. Sein Name wird – ebenso wie der von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet – häufig genannt, wenn in Unionskreisen intern über die schwachen Umfragewerte der CDU-Vorsitzenden und mögliche Alternativen für die Kanzlerkandidatur gesprochen wird. Dass in der K-Frage auf dem Bundesparteitag, der am 22. November in Leipzig beginnt, schon die Weichen neu gestellt werden, ist allerdings unwahrscheinlich.
Kramp-Karrenbauer gibt sich in Mali ohnehin von all dem unbeeindruckt, setzt auf ihre Themen und den Kontakt zu den Soldaten. In Niger traf sie einen Kampfschwimmer, der dort bei der „Operation Gazelle“ Spezialeinheiten gegen Terroristen und kriminelle Banden ausbildet. Er demonstrierte ein sogenanntes Tourniquet, mit dem sich Gliedmaßen abbinden lassen, um das Verbluten zu verhindern. „Frau Ministerin“ wird zur Anprobe gebeten und hält dem Kampfschwimmer ihren Arm zu Demonstrationszwecken hin.
C. HOFFMANN, A. CLASMANN