Urwahl des Unions-Kanzlerkandidaten?

Aufbäumen gegen den Niedergang

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Auch wenn es noch so oft mit treuherzigem Augenaufschlag dementiert wird: Die in der Union neu entflammte Urwahl-Debatte ist in Wahrheit kein Streit darüber, wie der gemeinsame Kanzlerkandidat von CDU und CSU gekürt werden soll – sondern wer dazu gewählt werden soll. Läuft es so wie bisher üblich in der Union, einigen sich Merkels Kronprinzessin Annegret Kramp-Karrenbauer und CSU-Chef Markus Söder im nächsten Jahr bei einem gemütlichen Münchner Frühstück darauf, dass AKK die Union in die Wahlschlacht (und die absehbare Schlappe) führt. Die von Pleiten, Pech und Pannen gebeutelte Saarländerin ist in der Bevölkerung zwar ungefähr so beliebt wie ein Zahnarztbesuch, stört aber die Kreise Söders (und dessen spätere eigene Kanzlerambitionen) am wenigsten.

Jeder andere – Friedrich Merz, Armin Laschet und vor allem der aus der Generation Söder stammende Jens Spahn – hätte nur dann eine Chance, wenn der von Junger Union und Werteunion angezettelte Aufstand gegen das Partei-Establishment Erfolg hätte und die Basis den Chefs die Kanzler-Entscheidung aus der Hand nähme.

Das ist nicht sehr wahrscheinlich. Aber auch nicht ausgeschlossen. Denn es steht viel auf dem Spiel. Die Urwahl, über die die JU auf ihrem Deutschlandtag am Wochenende abstimmen will, ist das vielleicht letzte Aufbäumen der deutschen Staatsparteien CDU und CSU gegen das lähmende Merkel’sche Weiter-so – und den langen Marsch in den eigenen Bedeutungsverlust. Der Parteinachwuchs träumt von einem deutschen Sebastian Kurz. Überraschend angesagt zum JU-Treffen hat sich stattdessen Friedrich Merz. Der ist mit seinen zarten 63 zwar geringfügig älter als der Wiener Jungstar. Aber den Kampf um die Macht hat auch er noch nicht aufgegeben.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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