Noch vor ein paar Monaten hatten viele mit dem Knall zum Jahresende gerechnet. Die SPD, so war oft zu hören, werde den Streit um die Grundrente oder etwas anderes eskalieren lassen, um sich dann auf ihrem Parteitag im Dezember vom Joch der Großen Koalition mit der Union zu befreien. Danach werde es Neuwahlen geben, oder Merkel mache mit einer Minderheitsregierung weiter.
Doch seit klar ist, dass der Anti-GroKo-Wortführer, Juso-Chef Kevin Kühnert, doch nicht im Rennen um den SPD-Vorsitz ist, scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben. So entschärfte jüngst Bundestagsfraktionschef Rolf Mützenich sogar die giftige Diskussion um die Einführung einer Grundrente, als er feststellte, man müsse diese Frage ja nicht gleich zur Bedingung für die Fortführung der Koalition erheben. Dazu passt, dass mit dem Favoriten Olaf Scholz und auch dem Geheimfavoriten Norbert Walter-Borjans gleich zwei Männer gute Chancen auf den SPD-Vorsitz haben, die ebenfalls nicht Hals über Kopf aus der Koalition ausbrechen wollen.
Natürlich steht die GroKo weiter auf wackeligen Füßen. Zu unberechenbar sind die Entwicklungen in der SPD, als dass man sich sicher sein könnte. Doch es erscheint zumindest nicht mehr als wahrscheinlichstes Szenario, dass das schwarz-rote Bündnis noch dieses Jahr auseinanderbricht. Totgesagte leben eben manchmal länger.
Sebastian.Horsch@ovb.net