Münchens Dilemma

Eine Stadt sucht nach Orientierung

von Redaktion

KLAUS VICK

München platzt aus allen Nähten. Man muss es nicht mehr betonen. Teure Mieten und tägliches Verkehrschaos sind der Preis, den die Bürger der boomenden Metropole zu bezahlen haben. Bester Beweis für die Stimmungslage: An ein- und demselben Tag fällt in München der Startschuss für das bayernweite Volksbegehren zum Mietenstopp und für das lokale Bürgerbegehren gegen maßlose Nachverdichtung. Und obendrein verkündet die Münchner CSU ihren Wahlkampf-Slogan: „Wieder München werden.“ Also zurück zu den Wurzeln. Weiteres Wachstum? Eher nicht. Allenfalls gedämpft.

München im Jahr 2019 ist eine Stadt, die nach Orientierung sucht, die sich nach Ruhe sehnt, die aber dennoch Weltstadt sein will. Es wird nicht alles funktionieren. Das Aufbegehren gegen die Wahnsinns-Mieten? Verständlich. Aber zugleich den Wohnungsbau massiv einbremsen, wie es das Bürgerbegehren gegen Nachverdichtung fordert? Schwierig. Eines sollte an dieser Stelle nämlich auch mal gesagt sein: Seit Monaten hat man das Gefühl, dass die Stadt in eine Miesepeter-Stimmung schlittert. In München ist nicht alles so schlecht, wie es derzeit gemacht wird. Lebensgefühl und Lebenswert der Stadt werden immer noch von der Mehrheit der Bürger geschätzt. Die Probleme gilt es zweifelsohne anzupacken, aber bitte ohne Weltuntergangs-Szenario.

Klaus.Vick@ovb.net

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