Sie war bereits als eine der Stars in der neuen EU-Kommission von Ursula von der Leyen auserkoren, doch nun ist Sylvie Goulard, Wunschkandidatin von Frankreichs Präsident Macron, mit Pauken und Trompeten bei den Anhörungen des Europäischen Parlaments durchgefallen. So mancher wittert da bereits heimliche Rache an Macron als wirkliches Motiv. Ist das die Retourkutsche der Abgeordneten für die maßgeblich durch Macron initiierte Schmach bei der Guillotinierung des Spitzenkandidaten-Modells nach der EU-Wahl?
Die Wahrheit liegt tiefer. Zum einen hat Madame Goulard offenbar ihre Lage falsch eingeschätzt. Warum sie angesichts von Betrugs-Ermittlungen gegen sie zwar nicht mehr als französische Ministerin, wohl aber als Kommissarin in Brüssel tragbar sein soll, konnte sie nicht überzeugend erklären. Auch fachlich hat die Ex-Verteidigungsministerin dem Vernehmen nach keine gute Figur vor dem Ausschuss gemacht. Schon bei früheren Kommissions-Bestellungen kannten die EU-Abgeordneten bei solcher Schwäche keine Gnade. Insbesondere, wenn es sich um ein Mega-Ressort wie Binnenmarkt, Sicherheit und Weltraum handelt. Dieser Machtanspruch Macrons war manchem vielleicht doch zu unbescheiden.
Alexander.Weber@ovb.net