AKK: „Mit der JU kuschelt man nicht“

von Redaktion

Saarbrücken – Gut eine halbe Stunde lang hat die umstrittene CDU-Chefin den aufmüpfigen Parteinachwuchs umschmeichelt, an die traditionelle Geschlossenheit der Union appelliert und ein wenig Selbstkritik geübt. Als Annegret Kramp-Karrenbauer fertig ist, stehen die allermeisten der gut 1000 Delegierten und Gäste beim Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken auf. Minutenlang wird die Saarländerin rhythmisch beklatscht. Auch JU-Chef Tilman Kuban, nicht als Fan bekannt, scherzt mit AKK.

Ob sie denn nervös sei, hat ein Reporter sie beim Reingehen am Morgen gefragt. „Nö“, gibt sie zurück. Natürlich. Doch wenn man die Frau kurz vor ihrer wichtigen Rede beobachtet, ist auch etwas Anspannung zu spüren. Auf der Bühne ist es dann ganz anders. AKK stellt sich nicht hinter ein Rednerpult, sondern nimmt ein Mikrofon in die Hand, geht auf und ab – ein erprobter Kniff, um locker zu wirken. Von Anfang an bemüht sich die Vorsitzende, den wegen mieser Umfragen verunsicherten Parteinachwuchs einzufangen.

AKK erinnert an ihre Vergangenheit bei der JU, berichtet von den jüngsten Reisen als Verteidigungsministerin nach Afrika oder ins Baltikum – und verbindet das mit einer kleinen Spitze gegen ihre Rivalen. Natürlich habe sie auch dort das JU-Treffen verfolgt, per Livestream. Was sie gesehen habe, habe sie doch sehr an die Castingshow „Germanys next Topmodel“ erinnert, spottet Kramp-Karrenbauer. Direkt muss sie da gar nicht auf die umjubelten Auftritte ihrer möglichen Rivalen um den Parteivorsitz – Friedrich Merz am Freitagabend, Armin Laschet und Jens Spahn am Samstag – eingehen. In der Halle versteht jeder, was sie meint. Auch die Konkurrenten haben beim Deutschlandtag punkten können. Am meisten wohl der Sauerländer Merz. AKK muss sich in der Fragerunde einige kritische Wortmeldungen anhören.

AKK gibt sich auch selbstkritisch. Es sei bei weitem nicht alles gelungen in den vergangenen zehn Monaten seit ihrer Wahl. Aber man habe doch auch vieles geschafft. Etwa beim Klima oder der Digitalisierung die programmatischen Lücken geschlossen, viele neue Köpfe und junge Gesichter gebe es in der Partei. „Wir sind auf einem guten Weg. Und die CDU ist immer nur mehr als einer oder eine allein.“

Dafür lobt sie den Nachwuchs als Vorreiter und Innovationsmotor. Ganz aus dem Häuschen sind die Delegierten, als AKK schmeichelt: „Mit der JU kuschelt man nicht, mit der streitet man.“ Aber sie mahnt auch: „Lasst uns nie vergessen: Der politische Gegner sitzt immer außerhalb unserer Reihen, nie innerhalb.“ JÖRG BLANK

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