München – Schon als Jugendlicher war Lukas Köhler politisch aktiv, etwa als Mitglied des Jugendparlaments in seiner Heimat, Monheim am Rhein. Seitdem ist in seiner Karriere viel passiert: Doktor in Philosophie, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, Sitz im Bundestag – und jetzt soll Köhler Generalsekretär der FDP Bayern werden. Jung ist der 33-jährige Politiker immer noch, aber nicht jugendlich; mit tiefer Stimme und stattlicher Größe.
FDP-Chef Daniel Föst will den Münchner vorschlagen, der Parteitag ist Mitte November. „Ich will der demokratischen Wahl nichts vorwegnehmen“, sagt Köhler. Aber er ist optimistisch, stellt sich schon auf die nächsten Jahre als Fösts rechte Hand ein. Das gilt auch in Parteikreisen als wahrscheinliche Lösung, wenngleich dann zwei Münchner die FDP führen. Eine Ungewissheit gibt es indes noch: Auf Parteitagen kommt es gern mal zu Kampfkandidaturen um den Vorsitz. Diesmal, so ist zu hören, sondierte der Regensburger Abgeordnete Ulrich Lechte (42) seine Chancen für eine Kandidatur.
Köhlers wichtigste Aufgabe wird sein, die Wahlen gründlich vorzubereiten. Schon im März 2020 stehen die Kommunalwahlen an, für die FDP traditionell schwierig. Er wolle „die Parteibasis im ländlichen Raum stärken“, verspricht Köhler. Fernziel: die Landtagswahl 2023. Köhler soll als Parteimanager verhindern, dass die FDP noch mal so einen Zitter-Abend erlebt wie 2018, als sie mit 5,1 Prozent nur hauchdünn in den Landtag einzog. Und dazwischen, genauer Termin unklar, kommt ja noch eine Bundestagswahl, wo es auch um sein Mandat geht.
Einfach ist das Parteiamt nicht, und ein Garant für die weitere Karriere auch nicht. Der amtierende General Norbert Hoffmann hatte gehofft, ihm würde das Amt Schwung für seine Landtagskandidatur geben. Im Oktober 2018 scheiterte er aber, trotz Top-Listenplatz in Niederbayern. Er zieht sich jetzt nach nur zwei Jahren zurück. Ehrenamtlich sei so eine wichtige Funktion kaum zu leisten, tröstet Föst. Man hörte wenig von Hoffmann. Schlagzeilen machte der Landshuter nur regional mit seinem Privatleben, seiner Beziehung mit der ebenfalls scheidenden Grünen-Chefin Sigi Hagl.
Lukas Köhler verliert kein böses Wort über den Vorgänger, will aber in der FDP einiges verschieben. „Es wichtig, dass wir unsere Themen breiter aufstellen, um mehr Wähler anzusprechen“, sagt er: „Energieversorgung, Digitalisierung und Bildung“. Er ist klimapolitischer Sprecher der FDP im Bundestag: „Wir müssen uns mehr auf erneuerbare Energien konzentrieren. Und es kann nicht sein, dass wir immer noch auf Zugstrecken wie zwischen Nürnberg und Ingolstadt dauerhaft mit Funklöchern kämpfen müssen.“ Dazu will er Bayern als Hochschulstandort weiterentwickeln.
Köhler ist durch und durch Politiker – wenn er seine Worte mit viel Bedacht auswählt, wenn er über Ziele spricht, manchmal auch, wenn er bei seiner Familie ist. Köhlers Frau Bianca ist wie er im Landesvorstand, beide haben einen vierjährigen Sohn. „Er hat sich schon an unser Parteileben gewöhnt. Auf Parteitagen bieten wir zum Beispiel eine Kinderbetreuung an. Das macht unsere Arbeit sehr familiär.“ KATHRIN BRAUN