SPD: Scholz in der Defensive

von Redaktion

Jetzt ist die Basis dran: Heute stimmen die rund 425 000 SPD-Mitglieder online und per Briefwahl darüber ab, wer künftig die SPD führen wird. Am Samstag präsentierten sich die Kandidaten zum Abschluss des Wahlkampfs im Münchner Löwenbräukeller. Ein Team erklärte dort seinen Rückzug.

VON KLAUS RIMPEL

München – Pink, Orange und ganz ganz dezentes Hellrot – zumindest bei der Bühnendekoration im 70er-Jahre-Stil ist schon entschieden: Tiefrot soll die Zukunft der Sozialdemokratie nicht sein.

Dabei wollen zumindest vier der sieben Kandidaten-Duos, die sich hier in München bei der 23. und letzten Regionalkonferenz um den SPD-Vorsitz bewerben, die Partei weiter nach links führen. Der Versuch dieser vier dunkelroten Teams, sich im Endspurt auf ein gemeinsames linkes Kandidaten-Paar zu einigen, sei gescheitert, berichten Hilde Mattheis und der Gewerkschafter Dierk Hirschel den rund 1000 bayerischen Genossen im vollen Löwenbräukeller. Um trotzdem die Chancen für ein linkes Duo zu erhöhen, verkünden Matteis und Hirschel, die in den Umfragen weit abgeschlagen lagen, ihren Rückzug. Da waren’s nur noch sechs Kandidaten-Teams.

Außenstaatsminister Michael Roth, der zusammen mit der NRW-Landtagsabgeordneten Christina Kampmann das jüngste der Bewerber-Duos bildet, sieht genau in Hirschels und Mattheis Flügel-Denken das Problem: „Liebe Hilde, lieber Dierk: Es gibt nur eine SPD – und die müssen wir wieder stark machen“, so Roth unter großem Applaus. „Viele Wähler haben sich von der SPD abgewandt, weil sie das Gefühl haben: Ihr geht nicht anständig miteinander um. Wir müssen endlich wieder zusammenhalten!“, findet Roth.

Am schwersten hat es der prominenteste der Bewerber um den SPD-Vorsitz im Löwenbräukeller: Olaf Scholz. Das Los-Pech will es, dass der Bundesfinanzminister erst nach den GroKo-kritischen Duos Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an der Reihe ist. Die attackieren das Klimapaket der GroKo scharf, aber auch den Verzicht auf neue Schulden, für den Scholz kämpft: „Wir strangulieren uns mit dieser schwarzen Null selbst“, klagt die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken Scholz an – und erntet dafür ebenso starken Applaus wie Lauterbach für seine Forderungen, die GroKo zu verlassen: „Wir wollen, dass die jungen Leute wieder mit uns demonstrieren und nicht gegen uns“, sagt Lauterbach über den Fridays-for-Future-Protest draußen vor dem Löwenbräukeller. Mit faulen Kompromissen wie beim Klimapaket verliere die SPD ihre Glaubwürdigkeit.

Lauterbach, der seit seiner Kandidatur stets auf seine früher obligatorische Fliege verzichtet, gibt ganz den Volkstribun, der die SPD aus der GroKo-Knechtschaft erlösen will. Scholz ist in die Defensive gedrängt: „Wir stehen nicht dafür, dass alles so bleibt, wie es ist“, sagt seine Co-Kandidatin Klara Geywitz – und ergänzt fast schon flehend: „Ihr müsst auch mit uns solidarisch sein!“

Ganz andere Entertainer-Qualitäten als Scholz hat da Ralf Stegner: Er reißt Witze, redet schnell wie einst Dieter-Thomas Heck in der Hitparade – und begeistert die Genossen. Das Rennen bleibt offen. Am Dienstag wird das Ergebnis der Urwahl verkündet. Eine Stichwahl gilt als wahrscheinlich.

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