Achtung, hier schreibt ein unverbesserlicher Optimist, der glaubt, dass überfüllte Züge wie am vergangenen Wochenende nicht in Demut hingenommen werden müssen. Sondern dass sich etwas ändern muss – und kann. Ja, man darf sogar das große Wort eines Marshallplans für die Bahn in Bayern in den Mund nehmen. Das bedeutet erstens Streckenausbau. Das zu eng dimensionierte BOB-Netz ist nur ein Beispiel unter vielen. Solange ein Münchner mit dem Auto schneller in Garmisch-Partenkirchen oder Füssen ist als mit der Bahn, solange ist eine Zugfahrt unattraktiv. Zweitens müssen quer durch Bayern stillgelegte Strecken reaktiviert werden – etwa die Fuchstalbahn Landsberg–Schongau oder die Steigerwaldbahn Kitzingen–Schweinfurt. Für die Reaktivierung gelten leider (noch) antiquierte Maßstäbe, werden utopische Fahrgastzahlen verlangt – das muss sich ändern.
Doch man darf nicht alles schlechtreden. Nach jahrelangem Druck aus dem Oberland wurde im Sommer immerhin konkret mit der Planung der Elektrifizierung begonnen. Das aber – man glaubt es kaum – soll zehn Jahre dauern. Mindestens. Geht das nicht schneller? Gar nicht auf der Rechnung haben Bahn und Ministerium bisher den Bau von Ausweichgleisen und neuen Stellwerken auf der BOB-Strecke. Warum nicht? Wenn man bedenkt, mit welchem Milliardenaufwand der Bau neuer Straßen (A 94!) vorangetrieben wird und wie viel Geld für deren Sanierung verwendet wird – dann sieht man, was machbar ist. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Dirk.Walter@ovb.net