MIKE SCHIER
Es ist erst ein paar Wochen her, dass vor den Wahlen in Sachsen und Brandenburg ernsthaft darüber diskutiert wurde, ob sich die Union für Bündnisse mit der AfD öffnen solle. Nach dem Attentat von Halle kann davon keine Rede mehr sein. Es fällt auf, wie drastisch vor allem die CDU die Tonlage gegenüber der AfD verschärft. Annegret Kramp-Karrenbauer bezeichnete die Partei am Wochenende als „politischen Arm des Rechtsradikalismus“. Diese Wortwahl kannte man nur von Sinn Fein und der Terrororganisation IRA aus Nordirland.
Damit übernimmt AKK eine Kurskorrektur, wie sie Markus Söder bereits auf dem Gillamoos vor einem Jahr eingeleitet hatte – und damit durchaus Erfolge einfuhr: Seine klare Kante gegen die Rechtspopulisten drückte die Partei im Freistaat weit unter jene Werte, die Umfragen bereits suggeriert hatten. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass auch der manchmal sehr hemdsärmlige Hubert Aiwanger der AfD einen Teil der Wähler abjagte. Er gibt vielen Bürgern im ländlichen Raum eine Stimme, die mit dem modernen Leben in den Städten fremdeln.
Die AfD darf sich nicht wundern, wenn ihr eine Mitverantwortung an rechter Gewalt gegeben wird. Wer den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ der Geschichte oder das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet, braucht sich nicht beschweren. Doch bei aller Abgrenzung sollte die Union mit ihrem konservativen Flügel nicht vergessen, gemäßigten AfD-Wählern wieder eine Heimat zu bieten. AKK und ihre Landesfürsten müssen von Söder lernen – und ein wenig auch von Aiwanger.
Mike.Schier@ovb.net