Es war eine Wahl zwischen Leben und Tod. Von den USA im Stich gelassen und von der Türkei ins Gefecht gezwungen, blieb den Kurden in Nordsyrien nichts anderes übrig, als den Diktator Baschar al Assad um Hilfe zu bitten. Nun müssen die einst tapfersten Verbündeten des Westens Seite an Seite mit den Truppen eines Mannes kämpfen, der Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk einsetzte. Und das ist nicht die einzige tragische Wendung in einem Krieg, den manche schon für beendet hielten.
So wie sich die Dinge entwickeln, scheint Syrien auf eine neue Katastrophe zuzusteuern. Zehntausende sind auf der Flucht, die Opferzahlen steigen, IS-Kämpfer nutzen das Chaos, um aus kurdischer Gefangenschaft zu fliehen. Dass Donald Trump den Kurden unterstellt, sie ließen die Terroristen absichtlich frei, um die USA zum Eingreifen zu zwingen, ist angesichts des verantwortungslosen US-Truppenabzugs an Niedertracht kaum zu überbieten.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Offensive offiziell gestartet, um eine Pufferzone zu den Kurdengebieten zu schaffen. Mit dem Eingreifen syrischer Truppen ist aber ein offener Krieg zwischen Syrien und dem Nato-Mitglied Türkei geworden. Zu Recht hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn darauf hingewiesen, dass Ankara im Zweifel die Nato-Verbündeten um Beistand bitten könnte. Frankreich und Deutschland mit Erdogan gegen die Kurden – absurder ginge es nicht.
Marcus.Maeckler@ovb.net