Es ist das Ende eine Ära: Nach langer Hängepartie zieht Jürgen Vocke, der Bayerns Jäger ein Vierteljahrhundert lang vertrat, die Reißleine und lässt sein Amt ruhen – ein unvermeidbarer Schritt. Eine Rückkehr scheint selbst dann kaum denkbar, wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Untreue und Unterschlagung nichts ergeben sollten. Zu tief ist der Riss in der Jägerschaft, zu heftig wurde die Verbandsführung zuletzt auch aus den eigenen Reihen ins Visier genommen. Die jüngsten Vorwürfe waren nur der letzte Funke, um das Feuer unter den Mitgliedern endgültig zu entfachen.
Jetzt steht der Jagdverband mit seinen rund 50 000 Mitgliedern vor einem dringend benötigten Neustart. Auf Jürgen Vockes Nachfolger warten zwei große Aufgaben: Er muss die verschiedenen Lager im Verband wieder zusammenführen. Aber auch nach außen wartet Versöhnungsarbeit. Bei Themen wie dem Waldumbau, der Wildfütterung und den Abschusszahlen lag die Verbandsspitze mit Förstern und Waldbesitzern häufig über Kreuz. Wer auch immer auf Vocke folgt, muss den Spagat meistern, hier einerseits die Interessen seiner Mitglieder durchzusetzen und andererseits moderierend zu wirken. Das diplomatische Gespür wird entscheidend sein, um die bayerischen Jäger als glaubwürdigen Naturschutzverband in die Zukunft zu führen – und nicht als angestaubten Altherrenclub.
Dominik.Goettler@ovb.net